Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 2 · p. Seite 95

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 2
Article
Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols
Date
1938-01-01
Page
Seite 95 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2830031-2830034-2841106--55209-2841145
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

D'er Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols 95 c) Die Seinsgebung. Die Behauptung, daß es die Einheit ist, die den Dingen das Sein verleiht (et dans ei esse), weist auf einen entscheidenden Zusammenhang hin: Das Sein wird nämlich das Eine genannt. Esse dicitur unum40. Der Einheit verdanken die Dinge ihr Sein: Res . . . non habet esse nisi propter unitatem quae constituit eins essentiam41. Denn das Eine führt die Materie zum Sein: Quod una materiam ducit ad esse42. Das Sein ist nicht vor der Einheit, esse non est prius unitate43. Das Sein definiert Gabirol als existentia formae in materia4*. Wie aber kommen Materie und Form zusammen? Was verbindet sie miteinander, bewirkt und erhält ihre Einung?45 Das^ Verständnis für die Bedeutung, die der Begriff der Einheit im System Gabirols hat, erhellt aus der Antwort, die auf diese Frage erteilt wird: Es ist die Einheit, die über ihnen ist, denn nur durch die Einwirkung der Einheit auf Materie und Form kommt deren Einung zustande46. Die Ansicht, daß die Form den Dingen ״das Sein verleiht66, wird von Gabirol mehrfach vertreten47. d) Die Umfassung des Seienden. Die Behauptung, daß die Einheit das Ding umfaßt (continens eam), erklärt sich durch die Ansicht, daß alles Höhere das Niedere umfaßt (et omne quod continet aliud, superius est eo quod continetur; deswegen omnis forma contentrix est formati48) und daher auch die Einheit das Viele, denn inferius est multa, superius est unum49. Die Vielheit — alles was nicht Einheit ist, ist Vielheit, quicquid est intelligibile aut sensibile, aut est unum aut multiplex50 — ist also nicht nur aus der Einheit entsprungen, sondern bleibt auch von ihr umfaßt; offenbar auf ähnliche Weise wie viele Dinge meinem einfachen Dinge vorhanden 40 V 9, p, 272, 13, s. V 24, p. 302, 9. i 41 V 9, 273, 4. 42 II 23, p. 67, 10. 43 V 9, p. 273, 8. 44 V 10, p. 274, 19. 45 V 31, p. 315, 5. 46 V 31, p. 315, 9. 47 Vg'l. meine Abhandlung: Der Begriff -des Seins in der Philosophie Gabirols, in der Festschrift Jakob Freimann, S. 68 ff. 4* IE 3, p. 81, 13. 26. 49 EI 33, p. 157, 16. 50 II 21, p. 62, 9.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.