Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
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Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols 93 dient und die Form eine Form habe und so bis ins Unendliehe30. 4. Die Funktionen der Einheit. Das Wesen der Einheit wird in der Auffassung Gabirols durch charakteristische Züge bestimmt. Der Sinn der Einheit erschöpft sich nicht in der Aus- Schließung der Vielheit und Teilbarkeit. Aus den Funktionen, die sie an der Vielheit und an den! eilen der seienden Dinge ausübt, geht ihre positive Realbedeutung hervor. In einer Erörterung, durch welche die Identität von Form und Einheit erwiesen werden soll, wird gezeigt, daß die Funktionen und Eigenschaften der Einheit auch der Form anhaften. Die Einheit ist es, welche a) die Vielheit bewirkt, b) hält, c) ihr das Sein verleiht, d) sie umfaßt und e) sich in allen ihren Teilen findet; f) sie wird von dem Ding, das ihr Substrat ist, getragen und g) steht über diesem Ding. Dieselben Eigenschaften finden sich aber auch in der Form, denn die Form ist es, die das Wesen des Dinges, in dem sie ist, konstituiert, ihm das Sein verleiht, es hält, umfaßt und sich in allen seinen Teilen findet; sie wird von der Materie, die ihr Substrat ist, getragen und steht über ihr, die Materie aber steht unter ihr81. Im Folgenden sollen diese Funktionen, auf deren Sinn und Bedeutung Gabirol nirgends zusammenfassend eingeht, auf Grund der in ״Fons vitae“ zerstreuten Äußerungen im Einzelnen dargestellt werden. a) Die Einheit ah Ursprung der Vielheit. Der Satz, daß die Einheit die Vielheit bewirkt (unitas est efficiens multitudinem), oder wie es an einer anderen Stelle heißt: das Einfache ist die Wurzel und der Ursprung des Vielfachen32 bildet die Grundlage für die rechte Erkenntnis der Einheit. Ein Dreifaches wird darin zum Ausdruck gebracht: 1. Die Einheit und die Vielheit sind einander nicht koordiniert, sondern subordiniert. Es wird bestritten, daß etwa beide als ursprüngliche Wesenheiten anzusehen sind, sondern behauptet: 2. Die Einheit ist das Primäre, das Ursprüngliche, das Erste. Diese pythagoreische Lehre, die im neuplatonischen Denken zu einer 30 IV 11, P• 235, 10. Einen weiteren Beweis s. IV 12, p. 237, 21. 31 IV 11, p. 235, 18. 32 III19, p. 122, 23; c. 33, p. 155, 14. *