Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols 91 Gabirol den Begriff der Einheit auf die höheren Seinsstufen anwendet, so wird es sich also um einen metaphysischen Einheitsbegriff handeln. Im Bestreben, den Gegensatz zwischen sinnlicher und übersinnlicher Welt zu relativieren, ist er bemüht, die Ähnlichkeit der beiden Einheiten nachzuweisen und meint: Die Form der Quantität ist mit der geistigen Form der Intelligenz zu vergleichen, nur daß die Form der Intelligenz eine einfache Einheit ist, während die Form der Quantität aus vielen zusammengesetzten Einheiten besteht. Quod forma intelligentiae est unus simplex, forma vero quantitatis est multae unae compositae14. Daß Gabirol die beiden Einheitsbegriffe nicht streng auseinanderhält, obwohl er, wie wir noch sehen werden, den metaphysischen Begriff der Einheit lehrt, — daß er ferner behauptet, jede geschöpfliche Einheit sei numerisch15, erklärt sich aus der von ihm vertretenen, auf Pythagoras zurückgeführten Zahlentheorie16, in welcher der Zahl ein metaphysischer Stellenwert beigelegt wird. Dies aber widerspricht sachlich, trotz der für uns irreführend erscheinenden Begriffsänderung, keineswegs seiner den metaphysischen Sinngehalt betonenden Auffassung der Einheit. 2. Das Prinzip der Einheit. Die Materie ist in sich getrennt (separata per se) und ungeeint (non est unita per se)17. Es liegt in ihrer Art, sich zu vervielfältigen und zu teilen18 und in den Dingen, die sie konstituiert, Trennung zu bewirken19. Um zu einer Einigung zu gelangen, ist sie auf einen einheitsstiftenden Faktor angewiesen (materia necesse habet una ad unitionem)20. Dieser Faktor ist die Form, auf deren Wirkung die Einheit in den Dingen zurückgeht. Die Form ist Einheit21, und die Einheit ist die Form aller Dinge (unitas est 14 II 8, p. 38, 14. 15 Vgl. IV 13, p. 240, 2; II 22, p. 64, 9; IV 11, p. 236, 3. 16 Schahrestäni, Religionsparteien und Philosophenschulen, übersetzt von Haarbrücker, B. II, S. 102. [Vgl. auch Bachja, Herzenspflichten I § 8, der zwei Arten der numerischen Einheit, die echte und die scheinbare, unter« scheidet und die metaphysische Einheit mit der ersteren gleichsetzt. I. H.] 17 II 23, p. 68, 9. 18 V 26, p. 306, 2. 19 II 23, p. 67, 22. 20 II 23, p. 68, 7. 21 IV 11, p. 235, 29; c. 13, p. 240, 11. 7*