Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kritischer Idealismus und jüdische Theologie
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 12)
- Language
- German
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84 Hans Joachim Schoeps Krisis seines Ursprungs treten, daß er sich als von einem fremden Zweck beansprucht vorfindet, daß er selbst zur ״Idee des Zweckes“ (145) wird. Für das Letzte aber, was kritische Philosophie über diese Beanspruchung, über den Ursprung der Idee des Zweckes ausmachen kann, daß es die alle Lebens- Wirklichkeit bewegende ״Idee des reinen Willens“ ist, weiß der an Offenbarung Glaubende .auszusagen, daß an dieser Stelle der überweltliche Gott steht. Und daß dieser überweitliehe Gott die Welt geschaffen hat, das ist gegenüber aller prinzipiell immanent verfahrenden Ontologie seitens dieser Philosophie des kritischen Idealismus durch die produktive Kategorie des Ursprungs mindestens als Möglichkeit festgehalten, wie wir bereits angesagt haben. Dieser von Hermann Cohen stammende Korrelationsbegriff, der Sein und Soll-sein, Idee und Existenz in transzendentaler Form zu beziehen vermag, hat bei beiden Denkern eine Offenheit, die die Interpretation im Sinne des theologischen Schöpfungsverständnisses zuläßt. Insofern läßt sich mit Fug behaupten, daß diese Philo- Sophie des kritischen Idealismus und der praktischen Yernunft jüdischer Theologie wirkliche Anknüpfungsmöglichkeiten offen hält. Und gegenüber Steinheim und Cohen hat Barth sogar den Vorzug, das Phänomen der Geschichte richtig gesehen und die Beziehung von Idee und geschichtlicher Realität in ein angemesseneres Verhältnis gebracht zu haben, als es diesen Denkern von ihren Voraussetzungen her zu bestimmen möglich gewesen ist. Gegenüber der Cohenschen Tendenz zur idealisierenden Ausgleichung aller Gegensätze urteilt Barth in seiner Cohen-Kritik also: ״Hier muß eine unverwischbare Grenze anerkannt bleiben. Geschichtliche Realität ist nicht Idee. Wenn sich konkrete geschichtliche Größen in Mißtrauen oder Feindschaft begegnen, dann vermögen sie ihren Widerstreit nicht [wie Cohen dies anstrebt] im Eingehen in die gemeinsame Idee aufzulösen. — — Ein reales Überschreiten des Gegensatzes — herüber in den Bereich der Idee — würde ein Verlassen des Feldes der Geschichte bedeuten. Nur an der Art der Bewegtheit innerhalb des Widerstreites kann die Richtung auf die Idee erkennbar werden,