Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kritischer Idealismus und jüdische Theologie
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 11)
- Language
- German
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Kritischer Idealismus und jüdische Theologie 83 weiter führ ende — Erörterung des transzendentalen Logos läßt diesen in den Horizont der platonischen Idee des Guten treten. Barths Eigenes und Eigentliches ist nun, daß der Logos der praktischen Vernunft in keiner Weise aus der Theorie hergeleitet wird, sondern ganz und gar in die ״Wirklichkeit der Handlung66 tritt. Ihr Wesen ist als ״Übergang vom Soll- Sein zum Sein66 echte ״Verwirklichung66 (97). Verwirklichung aber bezeichnet als Zentrum einer Begründung philosophischer Ethik viel eher den Konzeptionsgrund einer jüdischen denn einer christlichen Theologie. Denn nicht wie für den christlichen Glauben eine theoretische Verhaltensweise, sondern eine auf Gestaltung der Lebenswirklichkeit zielende Ausrichtung praktischer Vernunft, insofern sie den Übergang vom Sein zum Sein-sollenden bezeichnet, ist hier zugrundegelegt, und die Verwirklichung wiederum ist transzendental orientiert am ״Logos praktischer Vernunft66: der Idee des Guten. Materiale Aussagen über das Gute selbst verbieten sich verständlicherweise dieser gegenüber aller materialen Wertethik am Formalprinzip des kategorischen Imperativs orientierten Philosophie, die immer nur eine jenseits ihrer liegende, sie aber begründende und bewegende Idee transzendieren, nicht aber diese in die Welt einbeziehen kann, will sie nicht aufhören, Philosophie zu sein. Doch hier an dieser Grenze muß es jüdischer Theologie verstattet sein, die ״Idee des Guten66 inhaltlich näher zu bestimmen, eben als den dem Menschen in der Thora offenbar gemachten Willen Gottes, zu dessen ״Verwirklichung66 in spezifischer Weise das Volk Israel aus der Welt herausgesondert, d. h. erwählt worden ist. Indem so die ״Idee des Guten66 sich in zwangloser Weiterführung dieser Intentionen gläubiger Philosophie als das ״G e s e t z66 der Thora interpretieren läßt, ist im Begriff des ״Ursprung66 in der transzendentalen Deduktion die Priorität des Sollens gegenüber dem Sein sichergestellt, daß das Sollen nicht nur als gleich ursprünglich das Sein umgreift, sondern das Sein sogar im Sollen gründet. Gleichzeitig aber kann der Mensch nicht mehr mit Kant als ״Zweck an sich selbst66 angesehen werden, sondern der Primat des Soll-seins über das Sein läßt den Menschen ja schon immer in die