Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kritischer Idealismus und jüdische Theologie
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 10)
- Language
- German
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82 Hans Joachim Schoeps ״Idee64 dialektisch bewegter existenzieller Wirklichkeit.- Indem der Idealismus von der Dialektik der Lebenswirklichkeit seinen Ausgang nimmt, sieht er sich auf die Idee eines ״Ursprungs4" dialektischer Bewegtheit zurückverwiesen: auf die Idee praktischer Vernunft. Er hat Grund genug, eine immanente ״Selbstbewegung411 des Daseins nicht gelten zu lassen. Ihm ist nicht das Dasein Voraussetzung. Vielmehr ist ihm ״Wahrheit44 Voraussetzung für das ״Dasein44. Sie ist dafür Voraussetzung, daß ״Dasein44 in existenzieller Bewegtheit der Wahrheit erschlossen wird.44 (Zw. d. Zeiten VII, 539 f.) Wir möchten meinen, daß der offenbarungsgläubige Mensch — zumal der Jude — dieser Argumentation des kritischen Idealismus seine Anteilnahme nicht versagen kann; ist es doch selten geworden, daß in der Philosophie Wahrheit und Wirklichkeit, Sollen und Sein, Idee und Existenz in der strengen, an Kant orientierten Form des Gegenübers gesehen werden. Der Cohensche Begriff des ״Ursprungs44 ist für Barth zu einem höchst fruchtbaren Prinzip geworden, wie er selbst in seiner Würdigung des Cohensehen Spätwerkes bekannt hat, daß er Cohen ״zwar nicht einen Begriff der Geschichte, aber — imPrinzip des Ursprungs — die Voraussetzung aller möglichen Geschichtsphilosophie zu verdanken hat8.44 — Wir müssen es uns aus Raumgründen hier versagen, die Linien zur jüdischen Theologie hin zur Gänze auszuziehen. Doch dürfte bei dieser knappen Skizzierung der Grundpositionen des kritischen Idealismus bereits zur Kenntnis gelangt sein, daß der jüdischen Theologie sich hier wesentliche Berufungs- und Anknüpfungsmöglichkeiten erschließen. Insbesondere möchten wir den Rückgriff auf den ״Kritiker44 Kant begrüßen, daß Barth gegen alle ontologische wie subjektivistische Aufweichung, wie sie die Lehre vom ״transzendentalen Bewußtsein44 impliziert, sich grundsätzlich zur ״Priorität des Logos vor allen Denk- und Daseinsmöglichkeiten“ (24) bekennt, weil ״mit einer Transzendenz des Logos ein anderes Problem bezeichnet (ist) als mit derjenigen des Bewußtseins.44 (33). Die — Kants Intentionen verändernd Blätter für deutsche Philosophie Jahrgang 1931, Heft 1.