Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kritischer Idealismus und jüdische Theologie
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2830031-2830034-2841104--55192-2841131- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kritischer Idealismus und jüdische Theologie 81 ״das Gute‘6 zu tun als ein Können oder eine Kunst, ״sondern das Tun des Guten selbst ist es, in dem die Freiheit liegt.“ (333) Das ״Gute“ als das Ziel der Verwirklichung ist aber auf keine Weise dem Dasein immanent. Wirkliche Lebens״ erkenntnis erfährt ״in ihrer Relation zur Idee ihre Bestimmung; sie ist Verwirklichung der Idee des Guten.“ (373) Daß hier bereits im Ansatz eine gläubige Existenzauffassung obwaltet, wird an Hand solcher Aussagen offenkundig, braucht doch der Theologe an die Stelle des ״Guten“ oder der ״Idee des Guten“ nur den ״Willen Gottes“ oder als jüdischer Theologe noch konkreter das ״Gesetz als offenbaren Willen Gottes“ zu setzen, wobei die Philosophie Barths keinerlei Sinnverfälschung erleidet, sondern lediglich eine Konkretisierung ihrer Leitideen in bestimmter Richtung erfolgt. Daß in der Tat das Eigentliche der Barthschen Philosophie in ihrem Wissen um die strenge Wahrung der echten Transzendenzen gelegen ist, die in rechter begrifflicher Form zum Ausdruck kommt und wahrlich Kant erneut zu Ehren bringt, ist wohl am deutlichsten in der Auseinandersetzung Barths mit Heidegger, insbesondere in bezug auf das Wahrheitsproblem geworden7. Hatte Heidegger im Einklang mit der Mehrheit zeitgenössischer Philosophen ontologischer, phänomenologischer und existenzialistischer Richtung formuliert: ״Alle Wahrheit ist gemäß deren wesenhafter daseinsmäßiger Seinsart relativ auf das Sein des Dasein. —-Sein und Wahrheit ״sind“ gleich ursprünglich.“ (Sein und Zeit 228 f.), so erwidert ihm Heinrich Barth: ״Darin weicht der Idealismus von dieser Ontologie ab, daß er die Wahrheit mit dem Dasein nicht zusammenfallen läßt. Er bestreitet die Autarkie des Daseins, sofern es in verschlossener ״Faktizität“ auftreten will. ״Dasein“ steht, für ihn im Zeichen praktischexistenzieller Dialektik. ״Wahrheit“, bezogen auf Existenz, ist transzendente Voraussetzung eben dieser Dialektik; sie ist 7 Für diese bedeutungsvolle Auseinandersetzung vgl. Barths Aufsatz ״Ontologie und Idealismus“, Zwischen den Zeiten VII, (1927), H. 6. — Hinzuzuziehen sind noch die ebd. erschienenen Arbeiten ,,Die Krisis der Huma״ nität“ VIII (1930), H. 2 und Philosophie, Theologie und Existenzproblem X (1932), H. 2.