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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 2 · p. Seite 80

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 2
Article
Kritischer Idealismus und jüdische Theologie
Date
1938-01-01
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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80 Hans Joachim Schoeps keiten konkreter Existenz liegen müsse, aber auch keine nachträglich herangetragene Norm sein dürfe, die ja stets des imperativischen ״Muß“ ermangele, unter das sich die Existenz mit Notwendigkeit beugen solle — dies die Schwierigkeit jedes ethischen ״Idealismus“ —, sondern die Norm müsse eine vorträgliche sein, d. h. als Idee der Existenz, als die begrenzende Krisis ihres eigenen Ursprungs sich erweisen. In dieser Grundbewegtheit erst kann sie ihr wirkliches exsistere gewinnen. ״Darin liegt die Ursprungsbedeutung der begrenzenden Krisis, daß Existenz in dieser Ausrichtung überhaupt erst entspringt.“ (110) Die Jenseitigkeit der Idee als bewegende Krisis der Existenz von ihrem Ursprung her — in Entsprechung zur Kantischen ״Idee des reinen Willens“ als transzendentalen Ursprungs des konkreten Wollens — ist das zentrale Anliegen H. Barths, mit dem er die Intentionen von H. Cohens religionsphilosophischein Spätwerk mit Denkimpulsen S. Kierkegaards verbindet. Das große Werk H. Barths entfaltet die ganze Tiefe und Fruchtbarkeit seiner Problemstellungen in den drei letzten Kapiteln (Die praktische Wirklichkeit, Das Problem der Freiheit, Das Problem des höchsten Gutes), in denen er die bewegenden Denkmotive Kants ans Licht holt und von der neuen, unserer Zeit eigenen Existenzproblematik aus interpretiert. Wir können hier diese vielfach verschlungenen Gedankengänge nicht nachzeichnen; ist es uns doch auch nur darum zu tun, in Aufzeigung der Einsprungs- und Grenzpunkte dieses Philosophierens seine Verträglichkeit mit theologischem, d. h. von Offenbarung — ob jüdischer oder christlieber — her in Bewegung geratenem Denken aufzuzeigen. Ungleich philosophischer und nicht beschränkt auf den erkenntnistheoretischen Bereich sehen wir hier das Sachanliegen Steinheims aufgenommen und zu kräftiger Auswirkung gelangt. Wenn H. Barth die auch St. so wichtige Frage nach der Freiheit des menschlichen Willens stellt, so fällt sie in dieser Philosophie zusammen mit der Frage nach der Verwirklichung praktischer Erkenntnis. Freiheit des Menschen ist nur, indem sie geschieht — also in der Verwirklichung. Zwar gibt es keine Freiheit,

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