Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kritischer Idealismus und jüdische Theologie
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2830031-2830034-2841104--55188-2841127- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Kritischer Idealismus und jüdische Theologie 77 Intentionen vielleicht noch nicht einmal in vollem Umfang verstanden scheint. Wir meinen, daß die Philosophie Kants noch immer merkwürdige Aktualität besitzt und daß wir vielleicht gut daran täten, einer Meinung Gehör zu schenken, die so oft in den letzten hundert Jahren innerhalb des Judentums geäußert wurde, ohne daß man ihren Bedeutungsinhalt recht auszudrücken verstand, eben daß die Kantische Philosophie in einzigartiger Weise den Deduktionen jüdischer Theologie zugrundeliegen könnte. Indem wir dieser Meinung nachgehen, ist es nicht von ungefähr, daß wir auf eine sehr eigenartige jüdische Weiterführung Kants, nämlich in der Theologie S. L. Steinheims stoßen und daß wir unter — versteht sich — anderen Yoraussetzungen die Wiederaufnähme verwandter Intentionen in der Philosophie des zeitgenössischen Baseler Denkers Heinrich Barth, der teilweise von Hermann Cohen seinen Ausgang nahm, wiederfinden werden. Die Erörterung der hier vorliegenden Problembewältigung im Rahmen des Interesses unserer Frage soll uns Antwort geben, ob und inwieweit es der jüdischen Theologie von Nutzen sei, sich auf den Boden einer Philosophie zu stellen, die die Intentionen Kants in einer bestimmten Richtung weiterführt, welche bei Steinheim ״kritisehe Vernunft“ und bei H. Barth ״kritischer Idealismus“ heißt. II. Wenn wir S. L. Steinheims Beitrag zur Weiterführung des Kantischen Systems der Erkenntniskritik in Richtung einer Unterordnung der als autonom anerkannten Vernunft unter den Offenbarungsglauben hier übergehen, so geschieht dies einmal, weil wir in anderen Zusammenhängen von Steinheim gehandelt haben3 bzw. noch handeln werden, zum anderen ist es aber auch darum möglich, weil in der Philosophie Heinrich Barths die wesentlichsten Intentionen Steinheims (freilich ohne daß eine direkte Fühlungnahme statt- 3 Vgl. meine Ausgabe nachgelassener Schriften u. d. T. ״Vom Blei*4 benden und Vergänglichen im Judentum“, Berlin 1935, sowie Vorwort und Apparat zu der Edition des Briefwechsels Steinheim—Zunz im Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur, Jahrg. 1938.