Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kritischer Idealismus und jüdische Theologie
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
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76 Hans Joachim Schoeps können, wofür der unvoreingenommene Philosophiehistoriker auf das Scheitern der Versuche Rudolf Bultmanns, eines pro״ testantischen Theologen, verweisen darf. Ein wenig anders, aber im Resultat nicht unterschieden, liegt diese Frage nach der Eignung, Fundament für die Theologie zu sein, hinsichtlieh der Philosophien von Karl Jaspers und Nikolai Hartmann. Mögen alle diese Philosophen noch so treffliche Analysen existenzialer Akte geben, die dem religiösen Leben angehören, ja sogar konstitutiven Charakter für dieses haben, solange diese Akte aus der Wesenstiefe des Menschen heraus Erklärung finden, ist die Besinnung auf eine reale Transzendenz des Menschen nicht vonnöten und die Theologie predigt tauben Ohren, die unter Zuhilfenahme dieser Kategorien die Argumentation eines — in ihrem Sinne — gläubigen Daseinsverständnisses an ein Dasein heranbringen will, das sich hinreichend aus sich selbst versteht. Wie soll sich aber angesichts dieses Tatbestandes eine Theologie des Judentums orientieren, deren Stimme überhaupt nicht mehr gehört wird, wenn sie aus der Bewußtseinshaltung eines Rambam, eines Moses Mendelssohn oder auch eines Hermann Cohen sprechen wollte — versteht sich mit den niemals zufälligen Begriffen und Kategorien, die diesen Philosophien jeweils zugehören? Viele tiefer Nachdenkenden verspüren diese Notlage und wissen auch, daß man um das spezifisch moderne Bewußtsein der ״E x i s t e n z6s, wie sie seit Kierkegaard Zentrum und Ausgangspunkt auch und gerade aller Bemühungen geworden ist, die die Offenbarungsreligion retten wollen, nicht wird herumkommen können. Aber die Annahme oder auch nur Einstimmung auf alle diejenigen Existenzphilosophien, die heute angeboten werden, verbietet sich dem Judentum ihres prinzipiellen Immanenzcharakters wegen, wie wir angedeutet haben. — Sollte es angesichts dieses Tatbestandes so ganz abwegig erscheinen, wenn wir versuchen, auf den Philosophen zurückzugreifen, von dem die ganze neuzeitliche Philosophieentwicklung ihren Ausgang nahm, von dessen Philosophie zu verschiedenen Zeiten ganz verschiedene Aspekte im Lichte standen und dessen Lebenswerk noch immer nicht ausgesehöpft, ja in seinen zentralen