Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Quellen und Motive der Staats- und Gesellschaftsauffassung des Don Isaak Abravanel
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 504 (sequence 9)
- Language
- German
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504 Herbert Finkeischerer tum, denn liier ist der ״Gottesstaat“ gewiß nidit bloß eine geistige oder geistliche Gemeinschaft, die Tora ist (etwas schematisch gesprochen) sein auf Erden zu verwirklichendes Gesetzbuch. Daher kann Abravanel selbst seinen Gedanken nicht durchführen, geschweige daß er jüdische Vorbilder oder Nachfolger hätte. Die einzige Ausnahme einer Stellungnahme gegen die Monarchie oder vielmehr gegen die Staatengründung überhaupt steht allzusehr am Rande des Judentums: es ist eine merkwürdige Stelle im Buch der Jubiläen41. Sie könnte zum Teil wörtlich Abravanels Vorbild sein, wenn er auch Stadt und Staat42 nicht gerade als ״Satanswerk“43 bezeichnet hätte und wenn andererseits im Jubiläenbuch nicht nur Cham (als erster), sondern auch Sem und Jafet Städte bauen44; ob die Stelle etwa durch die Exegese der Kirchenväter auf ihn eingewirkt hat, kann ich nicht beurteilen. Als extremes Gegenbeispiel aus dem Mittelalter sei das Sefer ha-Jaschar erwähnt: hier wird der fromme Henoch durch einen Engel Gottes zum (ersten?) König eingesetzt45! Allerdings scheint eine sehr maßgebende Äußerung des rabbinischen Judentums den Zweck des Staates recht pessimistisch zu sehen, der bekannte Ausspruch des Priestervorstehers R. Chanina46: ״Betet, für den Frieden (das Wohl) des 41 112: Die Söhne Noas fingen an zu kämpfen . . . und Menschenblut auf der Erde zu vergießen . . . und feste Städte und Mauern und Türme zu bauen und einen Menschen über das Volk zu erheben und den Anfang des Königtums zu machen und in den Krieg zu ziehen ... und alles Böse zu tun und Waffen zu erwerben . . . und sie fingen an Städte einzunehraen und Sklaven und Sklavinnen zu verkaufen (angeführt bei Heinemann, Phiions griechische und jüdische Bildung S. 185 Anm. 5). } 42 Die Gleichsetzung Stadt Staat liegt sprachlich und sachlich nahe. Die Schäden des Stadtlebens, als des eigentlichen׳ Sitzes des Staates, hebt sehr stark hervor Ihn Khaldun (Erwin Rosenthal, Ibn Khalduns Gedanken über den Staat, S. 7, 26, 96 ff.), doch übt er (nach R.s Darstellung) an dieser gleichsam natürlichen Entwicklung keine Kritik, bejaht vielmehr den Staat durchaus (besonders S. 5, 8f., 37). 45 Jubil. 115: ״der Fürst Mastema^. 44Das. 714ff. 45 Venedig 1625 fol. 11, vgl. Jellinek, Bet ha-Midrasch IV. 129. Jedenfalls zum ersten Weltherrscher. 48 M. Abot DI 2.