Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Quellen und Motive der Staats- und Gesellschaftsauffassung des Don Isaak Abravanel
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 503 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2830023-2830030-2841003--55057-2841070- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Quellen d. Staats« u. Gesellschaftsauffassung Don Isaak Abravanels 503 stünden) — konnte sie schon aus seiner religiösen Einstellung heraus nicht ziehen. Und wenn wir seine Darstellung rückwärts verfolgen, wird zwar Abel, als Hirt Urbild des Staatsmannes, nicht eben freundlich bewertet37, aber in seiner (nicht ganz einheitlichen) Allegorie der Paradiesgeschichte sieht er die Beschäftigung mit der menschlichen Gesellschaft (den ״Baum der Erkenntnis“38) im rechten Maß als notwendig und gut an. Ich möchte also nur sehr bedingt Baers Kennzeichnung39 beipflichten, Abravanel habe die bei den Kirchenvätern verbreiteten Gedanken aus ihrem ״theologischen Gewand“ gelöst und sei auf ihre ursprüngliche antike Fassung zurückgegangen. Denn wenn manche Stoiker und besonders Seneca für den Weisen im Staatsbetrieb ihrer Gegenwart kaum eine zweckvolle Betätigung, vielmehr eine Gefahr sahen, so richtete sich ihre Kritik doch nicht gegen den staatlichen Zusammenschluß als solchen40. Auf der anderen Seite scheint mir die Gesellschaftskritik der Kyniker zu primitiv, fast egoistisch, um hier als Vorbild zu genügen — es f ehlt ihr mindestens so sehr wie dem übrigen Altertum an der überragenden Idee, der gegenüber eine solche Abwertung von Gesellschaft oder Staat überhaupt gewagt werden kann. Diese Idee kann nur eine religiöse sein, sie wird freilich in ihren Folgerungen durch die religiöse Ethik selbst bald ad absurdum geführt. Was darüber oben von der Kirche gesagt wurde, gilt erst recht vom Juden- 37 36 ab, c, 37c. Viel höher ist die Bewertung bei Arama (11. Pforte,, I 83b ff.), der die Kulturentwicklung durchaus optimistisch betrachtet. Die ganz unjüdisch anmutende Herabsetzung von Handwerk und Handarbeit (Kainr Tubal Kain) bei Abravanel muß wohl ebenfalls auf griechischen oder spätrömischen Einfluß (Seneca a. a. O.?) zurückgehen. 38 3301,, 34a. Zu Gen 1Ö1 (48c) folgt er ganz der herkömmlichen Ab« stufung und schreibt dementsprechend die ״politische“ Begabung nicht den verfluchten Söhnen Chams, sondern anerkennend den Söhnen Jafets zu. Merkwürdig ist auch, daß er die Lebensweise der Rekabiten, die der schönste Beleg für seine stadtfeindliche Haltung wäre und der modernen Bibelwissen« schaft.als Typ des ״Wüstenideals“ gilt, nur mit primitiven Nützlichkeits« erwägungen begründet (zu Jer 35, ed. Amst. 1641 fol. 137b). 39 S. 248. 40 Das gilt trotz ihrer asketisch-mystischen Tendenzen auch für die ara« bischen Philosophen, die Urbach eingangs anführt.