Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Quellen und Motive der Staats- und Gesellschaftsauffassung des Don Isaak Abravanel
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 501 (sequence 6)
- Language
- German
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- Cicero 1× ep/1024888
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Quellen d. Staats« u. Gesellschaftsauffassung Don Isaak Abravanels 501 wort Rom 13! ff. gebunden war und ja auch die Kirche eine sichtbare Gesellschaft darstellte. Immerhin neigten die frühen Kirchenlehrer (nicht Thomas von Aquino) dazu, im Staat mit seiner ordnenden Zwangsgewalt eine Notwendigkeit zu sehen, die erst der Sündenfall verursacht habe32. Nun beschreibt Abravanel den Turmbau deutlich als einen Sündenfall — der Gedanke der Erbsünde lag ihm auch sonst nicht fern38. Jene Menschen hatten ihre Bestimmung verfehlt. Diese 32 E. Troeltsch, Ges. Schriften I S. 153 ff., die bekannte Stelle Irenaeus, Contra haereses V 242; vgl. o. Anm. 10, O. Gierke, Das deutsche Genossen« schaftsrecht DI S. 524 und Anm. 16. Über Thomas: Wetzer und Welte, Kirchenlexikon XI2 S. 1652, Troeltsch a. a. O. S. 290 und Anm. 126 und 132. Anscheinend ist diese Gedankenreihe: Ursprüngliche Gleichheit der Menschen — Ungleichheit durch ihre Verkehrtheiten und Verderbnis — Unterwerfung als Heilmittel, schon bei Cicero vorgebildet (A. J. und R. W. Carlyle, A History of Mediaeval Political Theory in the West I S. 8—13, vornehmlich nach De leg. I 10—12 § 28—33 und den Anführungen aus De rep. III 24, 25 § 36, 37), doch möchte ich schwerlich direkten Einfluß auf Abr. annehmen, zumal Cicero sonst den Staat als natürliche organische Ein« richtung sieht (Carlyle S. 13 L, De rep. I 25 § 39 f., De leg. DO[ 1 § 3, De off. I 17 § 54). — Über Ciceros Quellen s. I. Heinemann, Poseidonios’ meta« physische Schriften I 31 (vgl. 52), 86, 226, n 234 ff., 279 ff., 292 f. 33 Guttmann a. a. O. S. 103 f. Den Verlust der speziellen göttlichen Fürsorge, den nach der dort S. 54 Anm. 2 angeführten Stelle Adams Sünde verursacht hätte, führt er zu Gen 117 (51b), in besserer Übereinstimmung mit seiner sonstigen Darstellung, auf die Sünde des Turmbaus zurückl Gott habe die Völker zur Strafe der Leitung und dem Einfluß der ״himmlischen Fürsten“ (שרי מעלה) unterstellt. Hat Israel, dem die unmittelbare Fürsorge damals erhalten blieb, sie also verloren, als es einen König verlangte? Diese Folgerung (auf die mich Herr Dr. Urbach aufmerksam macht) hat Abr. viel« leicht vorgeschwebt (zu i Sam 84 ff., bes. ed. Leipzig 1686 fol. 91c oben), aber er weist sie im Anschluß an 1 Sam 1222 ausdrücklich zurück (93d). (Daß sie durch das Exil verloren ging, scheint er anzunehmen Ma'ajne ha« Jeschua! VIII 7 ההודעה הבי, aber zu Dt 419 334 ,ד״ה ואחרים c d lehnt er es ab, vgl. zu 3117, 404b.) Dagegen sieht Isaak Arama (Pforte 95, V 58a) in dem Verlangen des Volkes nach einem König — nicht aber in der ״vorschrifts« mäßigen“ Einsetzung eines Königs — tatsächlich das Bestreben, sich der un« mittelbaren göttlichen Fürsorge zu entziehen. Es darf wohl darauf hingewiesen werden, daß auch bei Augustin (De civ. Dei XIX 15, Migne Sp. 643 f.) nach Gottes Willen nicht ein Mensch über den anderen herrschen sollte; erst infolge der Sünde (Ghams, Gen 925) ist die Knechtschaft entstanden (vgl. vor. Anm. über Cicero), während bei Abr. das Herrschen« und Beherrschtwerdenwollen selbst die Sünde ist (o. Anm. 20).