Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 6 · p. Seite 500

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 6
Article
Quellen und Motive der Staats- und Gesellschaftsauffassung des Don Isaak Abravanel
Date
1937-01-01
Page
Seite 500 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2830023-2830030-2841003--55054-2841067
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

500 Herbert Finkeischerer Yaqdhän24 war ihm bekannt25, aber sein Held erlangt aus sich heraus nicht nur die religiösen (!) und philosophischen Kenntnisse, sondern auch (und zwar vorher) die technischen Fähigkeiten, es fehlt also deren Verknüpfung mit der Gesellschaftskultur und deren charakteristische Beurteilung als ״überfiüssig“-schädlich. Für diese letztere Wertung hat soeben J. Baer auf Seneca26, mit z. T. wörtlichen Übereinstimmungen, hingewiesen. (Damit kämen wir indirekt auf kynische Gedankengänge; ebenso geht die Schilderung der ״Parallelgestalt46 Kain bei Abravanel durch Josephus27 auf kynische Vorstellungen zurück28.) Aber genügt das auch für die Stellung zur staatlichen Gemeinschaft?29 Recht nahe kommt Abravanel dem bei Cicero30 bekämpften Gedanken: Wenn die Menschen durch ein Wunder alles Notwendige reichlich bekämen (Abr.: da sie .. . bekamen), würden sie (A.: hätten sie sollen), ohne die Gemeinschaft zu begründen, sich nur der Wissenschaft (A.: Vervollkommnung der Seele) widmen. Hier setzt nun, wie mir scheint, ein Gedankengang ein, der mehr einem religiösen Anliegen entspricht. Auch für die kirchliche Gesellschäftslehre bestand die Schwierigkeit: die spätantike Überlieferung sah den Staat als Organismus und den einzelnen als organischen Teil dieses Ganzen; ist aber die Entwicklung und Seligkeit der Einzelseele der Endzweck, so ist damit keine Notwendigkeit oder kein besonderer Zweck für die menschliche Gesellschaft gegeben31. Dort verstand man es, diese Antinomie auszugleichen oder zu überbrücken, zumal man durch das Schrift- 24 Texte arabe et traduction fran$aise par Leon Gauthier, Alger 1900. 25 Jacob Guttmann, Die religionsphilosophischen Lehren des Isaak Abravanel S. 44 Anm. 4. 26 Epist. morales 90. 27 Ant. I 2 (bes. Abs. 2) (auf dessen Vorbild auch Baer S. 250 verweist). 28 Freundlicher Hinweis von Herrn Prof. I. Heinemann. [Näheres an anderer Stelle. I. H.] 29 Nur auf zwei Punkte sei hingewiesen: Selbst Seneca nimmt an, daß im Goldenen Zeitalter die Weisen die Könige gewesen seien (a. a. O. § 4L). — Damals wandte sich die Kraft gegen die wilden Tiere (§ 41) — gerade dadurch gewinnt Nimrod bei den Schrifterklärern sein Königtum! 30 De off. I 44 § 158. Vgl. I 4 § 12/13? 31 Vgl. Kern, Mittelalterl. Studien I, 1 (Humana Civilitas) S. 10 f.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.