Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Judenemanzipation im Licht des französischen Nationsbegriffs
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 465 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Judenemanzipation im Licht des französ. Nationsbegriffs 465 daß die Nation nur ״le substratum de la personnalite juridique de bEtat“ dar stellt20 — jedenfalls sind für den Franzosen Nation und Staat durch die Verbindung von Sein und Sollen unlöslich miteinander verflochten. Die Nation erscheint ohne den Staat, der Staat ohne die Nation nicht denkbar. Zusammenfassend läßt sich deshalb sagen: Der in der Revöliition entstandene französische Nationsbegriff setzt das staatsrechtliche Sein einer ״universalite des citoyens“ und das gesinnungsmäßige Sollen einer Erlebnisgemeinschaft voraus. Das Erlebnis muß sich täglich in allen Gliedern der ״universalite‘* * * 4 S. erneuern, so daß die Nation nach Renans späterer Formel von allen Bürgern ein ״plebiscite des tous les jours“ verlangt27. § 4. Vergleicht man die im Jahre 1789 gegebene jüdische Position mit dem französischen Nationsbegriff, so ergibt sich: Die Juden hatten an dem erlebnismäßigen Sollen— der subjektiven Voraussetzung der französischen Nationszugehörigkeit — keinen Anteil. ״Aueun lien ne les unissait ä la conscience nationale . . . ni Souvenirs historicjues, ni origine, ni langue, ni moeurs, ni interets, ni relations4c2s. Der Jude, so sagte 1790 das Memorandum einer französischen Munizipalstimmt hiermit überein (vgl. Neumann, Volk und Nation, Leipzig1888r S. 111). Auch in den französischen Gesetzen bezeichnet ״nationalite“ regelmäßig, die Staatsangehörigkeit (vgl. Lapradelle-Niboy et, Repertoire de droit inter« national, Ed. IX, Paris 1931, S. 320 ff.). Charakteristisch ist, daß z. B. bei Dalloz, Repertoire pratique de legislation, Bd. VIII, Paris 1920, S. 297 Wort nur in diesem Sinne gebraucht wird. In der gleichen Bedeutung ver« ־wenden fast alle völkerrechtlichen Verträge den Ausdruck (vgl. Stillschweig, Seite 64). “6:Vgl. Duguit, Traite de droit constitutionel, Bd. II, 2. Aufl. Paris 1923, S. 15, der diese Auffassung bekämpft. Über die Auffassung von Duguit s, dortselbst S. 14 ff. 27 Ähnlich sagt Sagnac S. 264: ״Ce qui constitue une nation, cest la volonte chez tous les citoyens qui la composent, de vivre ensemhle et de participer aux memes destinees“. Bei Lapradelle״Niboyet a. a. O. S. 249 heißt es ״Ce qui fait la nation, c'est Fäme commune“ (Kritik der franzö« sischen Nationsauffassung bei Johann et, Le principe des nationalites, Paris 1918, S. 245). Vgl. ferner Duguit1 S. 6f., Roffenstein in Jahrbuch für Soziologie, 1. Ergänzungsbandy Karlsruhe 1927,' S. 163. 28 Maignial, S. 258.