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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 5 · p. Seite 442

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 5
Article
Die "Märtyrerin" Leonore von Wien
Date
1937-01-01
Page
Seite 442 (sequence 4)
Language
German
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־442 Leopold Moses in dem die Bittstellerin15 darauf hinweist, sie habe den Kaiser Lange Zeit unbehelligt gelassen, sei jetzt aber durch die höchste Not zu ihrem Ansuchen gezwungen, und sich er•^ bötig macht, Geldquellen zu entdecken, aus denen sie befriedigt werden könnte. Auch ein Gutachten des Obersthofmarschalls Heinrich Wilhelm Grafen von Starhemberg, das sich in den Akten befindet, unterstreicht die ״treuen und ersjprießlichen Dienste66 der Eleonore, die dafür niemals eine ,*ergetzlichkait66 empfangen habe, wohl aber bei vielen Juden in äußersten Haß und Verfolgung geraten und, ״weiilen sie der Juden Stückhel entdeckt und etlich in Straf gebracht, mit zwei Kugel erschossen66 worden sei. Starhemberg empfiehlt, ״der: Supplikantin in Gnaden zu gedenken, auch dardurch andere Juden und Jüdin angeraizet würden, mit gleicher Treue sich noch hinfüro um Eu. kay. Maj. Person sich anzunehmen.66 Die 80 000 fl, die die Eleonore durch ihre Angebereien hereingebracht hatte, finden sich tatsächlich in den Protokollen der n.-ö. Kammer vom Jahre 1649. Dort ist am 15. Juli16 eine — auch in den Akten erliegende — ״Obligation von der allhiesigen Judenschaft gegen Ihre kayserliche Majestät per 80 000 fl Strafgelder, welche sie teils in barem Geld teils aber in annehmlichen Tüchern in den hierin spezifizierten Terminen abführen sollen66, vermerkt. Grunwalds Behauptung6, die Rechtlosigkeit der Juden habe bereits am 2. Juni 1649 den JPöbel zu einem neuen Tumult gegen sie ermutigt, dürfte dahin richtigzustellen sein, daß es nicht die ״Rechtlosigkeit der Juden66, sondern der Verrat der Leonore war, der diesen Tumult hervorrief. Auch Kaufmann gibt17 fälschlich einer zu Tätlichkeiten ermutigenden gehässigen Stimmung der Stadtbehörden Schuld an dem Auflauf. Wenn Grunwald dann frei nach Kaufmann meint, es sei den Juden erst für 80 000 fl gelungen, einen Pardon zu erwirken, wissen wir jetzt besser 15 Sie bezeichnet sich als ״der Eleonora Tochter Joachimä' Jüdin Wittib“, was als weiterer Beweis für ihre Abstammung aus der ersten Ehe der Leonore und Beitrag zu der vön Wachstem (ä. a. O.^ nach S. 592) aufgestellten Stammtafel dienen kann. ' - 18 N.-ö. Kammer, Prot. Nr. 294, Fo. 179. 17 A. a. O., S. 46/7. '

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