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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 5 · p. Seite 443

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 5
Article
Die "Märtyrerin" Leonore von Wien
Date
1937-01-01
Page
Seite 443 (sequence 5)
Language
German
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Grotte — Herzog: Die Synagoge in Bruck a. M. 443 Besdieid über die Zusammenhänge und über diese 80 000 fl und auch der sowohl Kaufmann17 als auch Pribram7 nur aus der Privilegienbestätigung vom 6. August 1652 bekannte Pardonbrief vom 20. Juli resp. 13. Sept. 1649 erliegt in den Akten der n.-ö. Kammer18. Wie es Denunzianten oft ergeht, scheint die Tochter der Leonore schließlich mit ihrem Begehren durchgefallen zu sein. Jedenfalls ist nunmehr aber die Legende um die Jüdin Leonore gründlich zerstört, an deren Bildung freilich der Text der Grabinschrift19 mitschuldig war. Wir lernen an diesem Beispiel, daß Epitheta, die subjektiv leicht begreifliehen Regungen der Pietät ihre Entstehung verdanken, als Geschichtsquellen mit Yorsicht zu werten sind. Die Akten und Protokolle des Hofkammerarchivs ergeben zwar noch immer keinen klaren Schuldbeweis für die Ermordung der Eleonore nach irgendeiner Richtung; sie bestärken aber den Verdacht, daß — nicht, was Kaufmann entrüstet zurückweist, ״die Juden“, wohl aber Juden den Mord angestiftet haben. Die Jüdin Leonore war allem Anschein nach ein Werkzeug Hirschl Mayers, dessen Stellung innerhalb des Parteienwesens im zweiten Wiener Ghetto durch die Forschung noch genauer zu untersuchen sein wird. Daß sie ihre Denunziationen aber nach dem Zeugnis der Akten ohne Entgelt machte, ist vielleicht der einzige sympathische Zug an ihrer ganzen Gestalt. Die Synagoge in Bruck a/M. 1. Zu der von Alfred Grotte verfaßten, ganz ausgezeichneten Schrift ״Synagogenspuren in schlesischen Kirchen"‘‘, Breslau 1937, durch deren Auf« nähme in ihre Schriftenreihe (Nr. 41) die ״Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums“ sich ein großes Verdienst erworben hat, möchte ich folgende Richtigstellung hier mitteilen. S. 16, Anm. 4 meint Grotte: auch die 1933 auf gefundenen Reste einer Synagoge in dem Stei- 18 N.״ö. Kammer, Prot. Nr. 294, Fo. 182. 10 Wachstein, a. a. O., S. 296 ff. Ganz allgemein bemerkt Wachstein, a. a. O., S. 1, was besonders im Hinblick auf den vorliegenden Fall nicht genug her vor gehoben werden kann, daß die Bezeichnung קדוש in späterer Zeit für gewaltsam um das Leben Gekommene schlechthin angewendet wird. 29*

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