Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die "Märtyrerin" Leonore von Wien
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 441 (sequence 3)
- Language
- German
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Die ״Märtyrerin" Leonore von Wien 441 gesehensten Männer im Ghetto, die es nach Kaufmanns Dar- Stellung nur gegen schwere Bürgschaften und hohe Summen erwirkt hatten, daß sie auf freien Fuß gesetzt wurden, nachdem Hirschei Mayer sie des Einverständnisses mit dem Mörder bezichtigt hatte. Die Akten der n.-ö. Kammer enthalten ein zur Unter- Stützung ihres Begehrens am 21. August 1661 eingebrachtes Gesuch der Jüdin an Georg Ludwig Grf. von Sinzendorff18, in dem auf 80.000 fl verwiesen wird, die die Eleonore der Hofkammer eingebracht habe. In diesem Gesuche heißt es u. a.: ״Wan ich dann dardurch bey ermelter Judenschaft nicht allein bis auf diese Stundt in lautteren Haß und Verfolgung geraten sondern noch darzue dazumahlen nadi meiner Muettern schändlichen Mordt umb alles das meinige komben, nemblidien daß Herr Graff Notthafft14 mir meiner Muettern Hauß in der Judenstatt alhie wegnemben und ainen andern Juden verkauften lassen, daß ich also ganz und gar das iähre nachsehen haben müssen. Da entgegen die kays. Generalia vermögen, das demjenigen Denuntianten das Dritl von rechts wegen gebührt und zuestehet, alß will ich nit hoffen, bey meinem so großen Verlust, daß ich schlecht abgeferttiget oder in lange Aufzug sollte verwiesen werden“. In den Akten findet sich f erner ein Gesuch an den Kaiser. Archive. Fasz. G 4/8 des n.-ö. Landesarchivs, dessen Bearbeitung־, durch mich bereits begannen wurde, bann diese Frage wenigstens zum Teil beantworten, da seinen Gegenstand die Geschäftsverbindungen Frankels mit Angehörigen der n.-Ö. Stände bilden. Einzelheiten über andere Geschäfte Fränkels bieten die Protokolle der n.-ö. Kammer. 13 1657—1680 Präsident der Hofkammer. 14 Johann Heinrich Freiherr Notthafft (später Graf) zu Wernburg, Geheimer Rat und Reichshofrats״Vizepräsident (Siebmacher, Wappenbuch IV/rV, I, S. 517). In dem hier angedeuteten Vorgehen des Grafen Notthafft, der mit der Durchführung der jüdischen Verlassenschaften betraut gewesen sein dürfte, liegt vielleicht der Schlüssel zu allem, was an der Angelegenheit noch nicht restlos g'eklärt scheint. Die ־Verlassenschaft nach Eleonore Levin (Taglicht, Nachlässe der Wiener Juden, Wien 1917, S. 57) weist keinen Hausbesitz auf, dagegen geht auch aus dem Verlassenschaftsakt ihres Stiefsohnes Jacob Levi del Banco (Taglicht, S. 59) Verbindung mit Grf. Nottr hafft hervor. . ' Monatsschrift, 81. Jahrgang