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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 5 · p. Seite 440

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 5
Article
Die "Märtyrerin" Leonore von Wien
Date
1937-01-01
Page
Seite 440 (sequence 2)
Language
German
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440 Leopold1 Moses beschuldigen. Er meint: ״Scheinbar hängt dies mit Zwistigkeiten zusammen, die um jene Zeit im Schoße der Gemeinde ausgebrochen waren und die Behörden mit erhöhtem Mißtrauen gegen die Juden erfüllten‘4. Allen Autoren sind aber die Quellen entgangen, die volles Licht in die Angelegenheit bringen. Gelegentlich der systematischen Durchforschung der Bestände des Hofkammerarchivs in Wien9, der ich midi bereits seit Jahren widme, kommen Protokolle und Akten zum Vorschein, die über die Jüdin Eleonore und andererseits auch über die verdächtigen Juden vollen Aufschluß bieten. Am 21. Juli 1661, also mehr als zehn Jahre nadi der Ermordung ihrer Mutter, bittet ״der Eleonora Tochter Joadiima Jüdin“10 die Hofkammer ״um einiges recompens, weillen Ihr Mutter vil fiscalische nützlidie mitl an tag geben“. Welcher Art diese ״Mittel“ waren, erfahren wir sofort aus dem hinzugefügten Vermerk: ״An Buchhalterei um Bericht und Gutachten, sonderlidi aber ob derselben was wissend, daß die verstorbene Jüdin Leonora Ihrer kays. Majestät durch Ihre denuntiationes einen Nutzen hätte gesdiafft“. In dem am 9. August 1661 von den Buchhalterei- und Raiträten erstatteten ״beriditlidien Gutachten“, das in den Akten der n.-ö. Kammer erliegt, wird ausdrüddidi bestätigt, daß die Eleonore ״umb das Jahr 1649 und 1650 gehöriger Orthen etliche hochstraffmessige Geheimbnuß der alhieigen Juden eröffnet“ ... und ״um ihrer Treue willen“ das Leben verloren habe. Wir erfahren aber auch, gegen wen sich ihre Denunziationen gerichtet hatten. Es sind Abraham Levi Epstein, genannt Hecht* 11 und Koppel Fränkel12, zwei der an- 9 Auch an dieser Stelle möchte ich der Leitung und den Beamten dieses Archivs für ihr mir stets bewiesenes Entgegenkommen herzlichst danken. 10 N.-ö. Kammer, Prot. Buch Nr. 340, Fo. 235. 11 Erscheint in den Protokollen der n.-ö. Kammer öfter als Abraham Levi Epstein, Judt zu Stein( a. d. Donau). Über ihn auch Wachstem,. Wiener Inschriften, I. Bd., S. 248 ff. 12 Jakob Koppel b. Jeremia Isak ha-Levi Fränkel starb in Wien am 17. April 1670 (Wachstein, Wiener Inschriften, I. Bd., S. 482 ff.). Wachstein überläßt die Beantwortung der Frage nach dem Einfluß, den Koppel Fränkel in finanzieller Hinsicht ausgeübt haben mag, welcher Art überhaupt seine Tätigkeit in Wien war, einer eingehenden Durchforschung der Wiener

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