Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neue Beiträge zur Geschichte der Juden Baghdads im islamischen Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 420 (sequence 5)
- Language
- German
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420 Walter J. Fischei Es kann durchaus vermutet werden, daß in diesem Gedicht der Sadid ad-Daula unserer arabischen Quelle gemeint ist, dessen vornehme Abstammung ihn prädestinierte, die ״Säule der Juden Baghdads“ seiner Zeit zu werden. Audi chronologische Gründe unterstützen unsere Vermutung. Wenn wir den Abschluß der Gedidite des Eleasar liababli, wie allgemein angenommen wird, in die Jahre 1250/1260 ansetzen, so liegt das Geburtsjahr dieses Sadid ad-Daula in diesem Zeitabschnitt11. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts, vielleicht als Vierzigjähriger, dürfte er wohl zu einer führenden Rolle innerhalb seiner jüdischen Gemeinschaft gelangt sein und kam dann auch zu Rang und Würden bei den Sultanen seiner Zeit. Allerdings erfüllten sich die Hoffnungen, die seine Familie auf ihn gesetzt hatte, nicht; denn, wie wir durch unseren arabischen Historiker erfahren, verließ er das Judentum und bekehrte sich zum Islam. 2. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurden die islamischen Kleider vor Schriften den Juden und Christen gegenüber wieder streng angewandt, und auch andere demütigende Vorschriften, wie z. B. Verbot des Baues von Kirchen, Synagogen etc., mit großer Strenge durchgeführt. Ein Opfer dieser Maßregeln wurde auch Sadid ad-Daula, dessen — oben erwähntes — Mausoleum infolge dieser Bestimmung zerstört wurde. Für diesen auch unter Muhammedanern so geachteten und angesehenen Juden mußte dies ein schwerer Schlag gewesen sein, und die herrschende Atmosphäre der Demütigung und Bedrückung der Juden hat wohl Sadid ad- Daula Konsequenzen ziehen lassen, die man allerdings am wenigsten von einer solch führenden Persönlichkeit erwartet hätte. *1Steinschneider: Introdüction to Arabic Litterature Nr. 446, S. 314 u. Z. f. Hebr. Bibliogr. XII. S. 129/130, XV. S. 130 nennt mehrere, jüdische Träger der Bezeichnung Sadid (ad~D1n) aus Cairo, die jedoch mit unserem Sadid ad-Daula nicht identisch sind.; .