Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die hebräischen Intonationen in B. Marcellos Estro poetico-armonico
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 414 (sequence 22)
- Language
- German
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414 Erich Werner der Judenaus Spanien; da nun bei ihnen sich die gleichen ornamentalen Elemente wie bei den spaniolisehen Juden wiederfinden, liegt der Schluß nahe, daß die spanische Musikkultur des 15. Jahrhunderts weder durch die Vertreibung der Araber noch durch die der Juden ihre wesentliche Physiognomie verändert hat, mit anderen Worten, daß sie arabische und jüdische Elemente beibehalten und weiterentwickelt hat. Zu ähnlichen Ergebnissen ist auch, von anderer Seite her, die spanische Volksliedforschung gelangt. III. Altitalienische Diminutionsmelismen finden sich nur nach Cavalli47 (Nr. 2), ״ Agazzari48 (Nr. 5), ״ Stef. Landi49 (Nr. 3, 8). IV. Traditionelle jüd. Melodie Wendungen treten hervor bei: Nr. 9 (Adonaj-Moloch-Steiger), Nr. 8 (Maariv-Weise an Werktagen), Nr. 3 (Sefardische S’mirothweise), Nr. 7 (Schacharith der Wallfahrtsfeste), Nr. 11 (Adonaj-Moloch-Steiger). Somit ergibt sich, daß die von Marcello aufgezeichneten Weisen sowohl gregorianische, wie auch spaniolisch-arabische, altitalienische und nicht zuletzt traditionelle jüdische Ornamente verwenden; doch ist es auffallend, daß nur die d e u t s c h - jü di s ch en Weisen an den Gregorianischen Choral anklingen, während die spaniolischen weit mehr im arabischen Volksgesang wurzeln. Zeitgenössische, italienische Formeln (aus dem Ende des 17. und Anfang des 18.Jahrhunderts) sind überhaupt nicht anzutreffen, wohl aber einige aus dem vorher gegangenen 47 Juan Gines Perez, geh: 1548, gest. 1612 zu Orihuela. Fr. Cavalli, geh. 1612 in Crema, gest. 1676 zu Venedig. Agazzari, geb. 1578 in Siena, gest. 1640 daselbst. 49 Stefano Landi, geb. 1590, gest. 1655 in Rom.