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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 5 · p. Seite 412

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 5
Article
Die hebräischen Intonationen in B. Marcellos Estro poetico-armonico
Date
1937-01-01
Page
Seite 412 (sequence 20)
Language
German
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412 Erich Werner gleichen Bau festzustellen. Allerdings ist auch das in unserer Quelle erhaltene ״Maos zur“ in reinster phrygischer, bzw. hypophrygisdier Kirchentonart gehalten, so daß ein Vergleich mit ähnlichen, gleichfalls syllabisch komponierten Weisen des Chorals sich aufdrängen mußte. Da bekanntlich das Fronleichnamfest auf den Straßen prozessionsweise zelebriert zu werden pflegt, ist die Möglichkeit nicht ganz von der Hand zu weisen, daß die Chasonim ihr ״Maos zur“ der oft gehörten Frönleichnamhymne ״Sacris solemniis“ nachempfunden haben. Es wäre hier also ein — immerhin seltener — Fall von ״Rückentlehnung“ aus dem Choral, der sich ja zum großen Teil an altjüdisches Erbgut anlehnt, zu verzeichnen. Hierbei ist allerdings zu bemerken, daß die Hymnen infolge ihrer meist nicht mehr quantitierenden Metrik schon als ein sekundärer Sproß des christlichen Kultgesanges anzusehen sind41. (Der Hymnus ״Te lucis“ wird Ambrosius zugewiesen.) Ein sehr charakteristisches Bild von den verschiedenen Stilmischungen bieten die Weisen 2 und 6, denen eine gemeinsame Urlinie und Kernmelodie zugrunde liegt. Nach Marcello sind es deutsch-jüdische Weisen; ihr überaus prägnanter Marschrhythmus, ihre bis zur Primitivität simple latente Dur- Harmonik würden auch ohne Marcellos Angabe nach Deutschland weisen. Sie sind im Wesentlichen als durch Varianten und Kontaminationen ״zersungene“ deutsche Spielmannslieder zu erkennen und gehören — wenn man vom Marschrhythmus, der sich dem damals beliebten Typ der Allemande oder a• assimiliert hat, absieht, mitten ins 14. Jahrhundert42. Die Weisen, Sprüche und Leiche des sich allmählich verbürgerbehenden Volks- und Liebesliedes dieses Jahrhunderts weisen eine ganze Reihe von ähnlichen Melodien auf; insbesondere könnte man Melodien vom Salzburger Münch, ferner von H. vonLaufenberg oder von Wolken stein da- 41 Vgl. P. Wagner, Gregorian. Formenlehre I, 41 ff.; III, 462 ff. 42 Vgl. Besseler, Musik d. Mittelalters in Rückens Hdh. d. Musikwissen״ schäften, S. 176 u. 306.

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