Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die hebräischen Intonationen in B. Marcellos Estro poetico-armonico
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 411 (sequence 19)
- Language
- German
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Die hebr. Intonationen in B. Marcellos Estro poetico-armonico 411 Maqam Sabba die ״keusche Rehenliebe66, viel leidenschaftlicheren Gefühlen bleibt der Maqam Uschaq Vorbehalten usw. Yon unseren Weisen entspricht Nr. 1 (L’dovid boruch) dem Maqam Mahur, (״der Trabende66), Nr. 3 (Odcha) dem Maqam Siga-Rast, einer Mischung zweier sehr beliebter ״gemessener und würdevoller66 Melodietypen39, Nr. 5 (Achar nognim), dem Misehungsmaqam Mahur-Nawa, einem bei den orientalischen Juden noch heute sehr verbreiteten Melodietyp, der in der neuen palästinensischen Yolksmelodie eine wichtige Rolle spielt; so ist etwa der Hauptteil des bekannten ״Emek-Liedes66 in dieser Art gehalten. Nr. 7 ist eine leidensdiaftlich klagende Uschaq-Weise, Nr. 11 ist wieder ein besonders prägnanter Vertreter des Maqam Mahur. Dieser Maqam ist, wie Idelsohn in Bd. IY nachweist, völlig identisch mit dem bei den Ostjuden allgemein bekannten ״Adonaj — moloch66 Steiger. Es ist nun eine interessante Aufgabe, die 11 von Marcello uns überlieferten Weisen mit anderen — ähnlichen oder irgendwie parallelen — aus der musikalischen Literatur zu vergleichen. Leider muß ich mir hier eine solche Untersuchung ״per saecula66 aus raumtechnischen Gründen versagen. Nur in 4 besonders charakteristisch gearteten Fällen will ich die entsprechenden Vergleiche geben. Zu Nr. 1 (L’david) existiert ein recht ähnliches Pendant im ״Hoschianah66 am Erew Simchath-Thora nach mährischer Weise. Das Maos zur nach der (längst nicht mehr gebräuchlichen) Weise der deutschen Juden entwickelt eine verblüffende Ähnlichkeit mit einzelnen Hymnen aus dem Gregorianischen Choral, insbesondere zu Fronleichnam mit ״Sacris solemniis66, ״Te lucis ante terminum66 (festum sacr. cordis Jesu)40. Es wird gut sein, die Melodien nebeneinander zu betrachten und den völlig selbstverständlichen Ethoslehre, die ihre großartige und systematische Dar« legung und Vollendung erst in Platons Politeia findet. Vgl. a. Abert, ״Die Lehre vom Ethos in der Musik“,; ferner: Westphal: Antike Musik, C. Sachs: Musik der Antike, in Bückens Handbuch d. Musikwissenschaft S. 8—9 und in ״Jedermanns Bücherei“ S. 22 ff. a9 Vgl. Idelsohn, Bd. IV. Über die Maqamen im' Besonderen (Kap. III—IV. 40 Liber usualis, Ed. Vaticana, Rom, Tournay; S. 816, S. 272. 27*