Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die hebräischen Intonationen in B. Marcellos Estro poetico-armonico
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 410 (sequence 18)
- Language
- German
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410 Erich Werner Deutschland mit größter Begeisterung aufgenommen worden war. Recht viele bekannte deutsche Komponisten wie Nauwach, Kittel, Ahle, Staden34 und viele andere haben Sammlungen ״teutsdier Villanellen44 herausgegeben, die zwischen 1620 und 1660 sehr im Schwange waren. Einer anderen Tanzform des 16. Jhdt. entsprechen 2 spaniolische Weisen (Nr. 5 und 7); ihr von Marcello ausnahmsweise notierter Takt gibt das — hier etwas verschnörkelte — Metrum der G a g 1 i - arda35, eines oberitalienischen Tanzes wieder. Allerdings weichen aber die beiden Melodien beträchtlich vom etwas stereotypen Schema der Gagliarde ab und weisen noch erhebliche arabische Form- und Melodieeinflüsse auf. Diese zeigen sich mehr oder weniger in allen 5 spaniolischen Weisen; sie alle entsprechen noch irgendwie dem Erfindungs- und Formgesetz der arabischen Maquamen, die, ähnlich wie die indischen Ragas, die griechischen vdjxot, gewisse Melodietypen darstellen, aus denen dann der einzelne Komponist in streng geregelter Paraphrasierung sein Werk auf baut. Sie sind gewissermaßen das Reservoir von stereotypen Tonleitern, Melodieklauseln, Verzierungen und bilden eine ideelle und stilistische Einheit. In den ostjüdischen ״Steigern4436 findet sich ein überraschend genaues Analogon zu dem Prinzip der Maqamen. Auch hier gibt es feste Formein, bestimmte Wendungen, die nicht nach Belieben vermischt oder miteinander vertauscht werden dürfen; an ihnen entzündet sich in ״gebundener Improvisation44 die melodische Phantasie der echten Chasanim, bei denen Produktion und Reproduktion noch wie im Orient immer ungetrennt und eins sind37. Bemerkenswert ist noch, daß jedem Maqam ein bestimmter Gefühlscharakter, aber auch eine ethisch bewertete Grundkraft zugrunde gelegt wird38. So bezeichnet z. B. der 34 Vgl. Riemann, Hdb. II, 2, u. Bücken-Haas: Musik des Barock. 35 Vgl. Karl Nef, Gesch. d. Symphonie u. Suite (1921). 36 Vgl. Idelsohn, Gesänge d. Ostjuden, ferner: Friedmann, d. synago« gale Gesang (1906). 37 Vgl. a. meine diesbezgl. Aufs. a. a. O. v. 28. XI. 33; ferner ebendort: ״Vom Wesen der Chasanuth“; ferner Tribüne Juive 38/39 1934, 38 Es ist dies m. E. ein Überbleibsel der allen alten Völkern eigenen und