Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die hebräischen Intonationen in B. Marcellos Estro poetico-armonico
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 408 (sequence 16)
- Language
- German
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408 Erich Werner M. verwendet übrigens inkonsequenterweise 2 Arten von Notation: a) die sogenannte ״pseudo chorale“, die über den Wert der einzelnen Note wenig aussagt und bei der die jeweilige Wortbetonung immerhin auch für die Musik noch eine Rolle spielt; b) die ״mensurierte“, die den relativen Wert jeder einzelnen Note im Verhältnis zu ihren Nachbarn festlegt. Nur in 2 Fällen hat er, wie es heute üblich ist, den Takt bestimmt und notiert. Im Zusammenhang damit steht die Textierung. Beinahe durchweg hat M. hier ein sehr summarisdies Verfahren gewählt, indem er einfach die Textworte auf gut Glück unter die Noten setzte, ohne immer darauf zu achten, was für eine Text Verteilung in jedem Falle erforderlich ist. Doch ist es nicht schwer, die Textverteilung genau festzulegen; allerdings geht uns dabei die Möglichkeit verloren, aus der musikalischen Deklamation auf die damalige Wortbetonung im Hebräischen schließen zu können. Dort, wo schon bei M. die Text Verteilung genau vorgenommen ist, entspricht die Betonung durchweg der heutigen sefardischen Akzentuation. Vergleicht man zunächst vom rhythmischen Gesichtspunkt aus die spaniolischen mit den deutsch-jüdischen Melodien, so fällt sofort auf, daß sämtliche deutschen Weisen dem Typus des marschartigen Chorals angehören; und tatsächlich ist ja dies eine von den deutschen Juden bevorzugte Haltung; man denke nur an das (leider) sehr gebräuchliche ״en kelohenu“, von Julius Freudenthal (Braunschweig) 1841 komponiert32, an das Adir hu oder hodu zu Pessach, an das Maos zur zu Chanukah. Sie alle verkörpern diesen Typus, wie auch die meisten chassidischen Niggunim. Demgegenüber sind die sephardischen Weisen zum Teil im dreizeitigen Takt; auch eine Marschmelodie (Nr. 11) findet sich darunter, die übrigen zwei aber lassen sich nur schwer in einen Takt zwingen und nähern sich mehr dem Typus des ariosen Rezitativs, eben dem, was Jehuda Halevi ״Tartil66 nennt. Da bedingt metrische Poesie auch periodische Musik. Von all den genannten Texten aber sind streng metrisch bestenfalls Nr. 5 und 7 von Gabirol und Schlomo ben Masa׳btow. 32 H. Goldberg, Synagogengesänge (1843).