Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die hebräischen Intonationen in B. Marcellos Estro poetico-armonico
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 407 (sequence 15)
- Language
- German
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Die hebr. Intonationen in B. Marcellos Estro poetico-armonico 407 Nr. 7 jedoch stammt von Gabirol und wird heute noch, ebenfalls zu Ssimchath Tora, auf die von Marcello angegebene Weise gesungen; übrigens scheint der Piut früher auch in Deutschland bekannt gewesen zu sein, denn es gibt davon eine deutsche Übersetzung in Dukes’״Ehrensäulen‘629. (Nr. 76.) Was nun die Auswahl anlangt, die M. unter den vielen Weisen des venezianischen und oberitalienischen, spaniolischen und deutschen Juden getroffen hat, so stellt sich hier ein sehr interessantes Problem; denn bekanntlich gibt es in aller synagogaler Musik zwei von einander grundverschiedene Formtypen: a) das frei schwingende, ungebundene und oft improvisierte Rezitativ (Jehuda Halevi bezeichnet es ״Tartil“). und für die religiöse Musik als allein passend30, b) die streng rhythmisch-periodische Musik, die unter dem Einfluß des Abendlandes erst entstanden war und vor allem für den Gemeindegesang verwendet wird (z. B. unser לכה דודי u. v. a.). Nun ist es sicherlich auffallend, daß M. nur solche Melodien und Texte gewählt hat, die für den Gemeindegesang bestimmt waren. — Die einzige Ausnahme in textlicher Hinsicht, das Kaddisch am Erew Rosch-haschanah, ist keine in musikalischer Beziehung; denn die Melodie des Kaddisch gemahnt sehr stark an ein fröhliches altdeutsches Volkslied. Alle seine jüdischen Melodien sind in abendländischer Rhythmik gehalten und von ihm auch mehr oder weniger deutlich so notiert. Da es sich ja bei ihnen um wirkliche Gemeindegesänge handelt, dürften die von M. notierten Rhythmen wirklich gesungen worden sein. Ob nicht vielleicht die einseitige Bevorzugung dieser straff gegliederten Melodien durch M. so zu erklären ist, daß er jene Themen auswählte, die seinem abendländischen Empfinden von vornherein mehr entgegenkamen und sich außerdem zur Verwendung als Cantus firmi eigneten? Ich möchte diese Frage offen lassen31. 28 s. Davidsohn: Thesaurus. Nr. 2568. 29 S. Davidsohn a. a. O. ש Nr. 2046. 30 Jehuda Halevi: Kusari II, § '72. ״Tartil ist der Gesang־, der imstande ist, den Inhalt des Textes seiner innersten Bedeutung־ gemäß frei und in momentaner Empfindung* auszudrücken/' 31 Es ,wäre nicht verwunderlich, wenn zu .metrischen Piutim vor״ wiegend rhythmisch-metrische Musik komponiert wird; denn meistenteils