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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 5 · p. Seite 403

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 5
Article
Die hebräischen Intonationen in B. Marcellos Estro poetico-armonico
Date
1937-01-01
Page
Seite 403 (sequence 11)
Language
German
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Die hebr. Intonationen in B. Marcellos Estro poetico-armonico 403 Diesen ausführlichen Vorbemerkungen Marcellos sollen hier für den Nichtmusiker nur noch einige kurze Erläuterungen über die Verwendung dieser jüdischen Melodien angeschlossen werden. Marcello benutzt, wie er selbst ankündigt, die jüdischen Weisen als Cantus firmi in der Notierung und Technik der katholischen Kirchenmusik. In dieser nämlieh ist es üblich, jeweils für eine Messe irgend eine prägnante Weise aus der Sammlung des Gregorianischen Chorals herauszugreifen und sie als Kernthema (Cantus firmus) (der in der feierlichen Messe vom Priester selbst ״intoniert46 wird) immer wieder in den Vordergrund zu stellen. Es geschieht das derart, daß gewöhnlich eine Stimme diesen Cantus firmus trägt (der Tenor), während die anderen ihn mehr oder weniger frei mit eigenen, gewöhnlich kontrastierenden Themen und Melodien (eben den Kontrapunkten) umspielen. Während nun sich diese Kontrapunkte in leichtem Fluß immer wieder wandeln, zieht sich der Cantus firmus unverändert, wie der berühmte ״rote Faden66 durch das ganze kunstvolle Gewebe der Komposition. Wir hören ferner, daß Marcello die Melodien ״in etwas übersichtlicherer Weise, als die jüdische Singpraxis seiner Zeit sie gab66, aufgezeichnet hat. Mit anderen Worten: Er hat diese Melodien wahrscheinlich vereinfacht und sie seinem europäischen, an der Musik seiner Zeit geschulten Geschmack angepaßt. Er behauptet zwar weiter unten, daß er an Wesentlichem nichts verändert habe, aber jeder Musikwissenschaftler weiß, wie außerordentlich schwer es ist, Volksgesänge (und hier eben doch wesensfremde!) genau aufzuzeichnen. Vergleicht man phonographisdie Aufnahmen eines und desselben Singens mit der Niederschrift26, so hält man eine ganz genaue Aufzeichnung für nahezu unmöglich. Immerhin, die Form der Melodien, ihre Gestaltung und Grundhaltung dürfen wir als authentisch akzeptieren. Es wird nun von größter Wichtigkeit sein, eben diese Melodien mit den exakten Methoden der vergleichenden 26 Lachmann, außereuropäische Musik $. 3 f.; vgl. a. Hornbostel, Stumpf, C. Sachs auf demselben Gebiet. (Vergleichende Musikwissen- Schaft, Einleitung u. S. 10 ff.).

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