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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 5 · p. Seite 402

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 5
Article
Die hebräischen Intonationen in B. Marcellos Estro poetico-armonico
Date
1937-01-01
Page
Seite 402 (sequence 10)
Language
German
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402 Erich Werner ״Der 9. Psalm beginnt mit der spaniolischen Intonation des: ידודבר^ך? (in hebr. Buchstaben, unpunktiert im Original) nach der sehr alten und überaus gebräuchlichen Weise. Notierte Musik findet man sonst bei den Juden nicht25, sondern die überall zu ihren Hymnen, Gesängen und Psalmen gesungenen Melodien haben sich durch mündliche Überlieferung auf die Nachwelt fortgepflanzt.“ (Es folgt nun eine Aufzählung der Verdienste, die sich das jüdische Volk um die Musik erworben hat, gestützt mit Bibel״ Zitaten, ferner eine kurze Übersicht über die Einrichtungen der ältesten jüdischen Musik. Dann erst wendet er sich dem 1. Tempel zu): ״Nach der Erbauung des 1. Tempels wurde die Musik in besserer Or״ ganisation ausgeübt und »mit größerem Glanz; diese Praxis wurde auch nach dem babylonischen Exil wieder hergestellt und existierte bis zur Zer״ Streuung der Juden unter die Römer (siel) Es ist mir nun sehr wahrscheinlich (was auch viele von ihnen fest behaupten), daß die im vorliegenden Werk angeführten Melodien im Gedächtnis der ersten Vertriebenen haften geblieben waren, und daß sie diese Weisen in mündlicher Überlieferung an die folgenden Geschlechter weitergegeben haben. Sie sind in etwas übersichtlicherer Form, als ihre Singpraxis sie gibt, hier aufgezeichnet und werden in der ihnen! eigentüm״ liehen Schlichtheit am besten zur Geltung kommen, wenn — wie hier — der (hebr.) Text mit den Noten arten unseres kirchlichen Cantus firmus versehen ist. Und entsprechend der entgegengesetzten Schreibweise der Juden müssen auch die Melodien, die zu den (hebr.) Buchstaben gehören, entgegengesetzt gelesen werden. Um dann (im Kunstwerk) diese Melodien uuseren (Italien.) Versen. und Versmaßen anzupassen, mußte ihr Noten״ wert mehrfach verlängert, die Weisen selbst einige Male wiederholt werden; niemals aber wurde die originale Intonation irgendwie verändert, obschon noch ganz bestimmte Singmanieren wie das ״Hinüberspielen von einem Ton zum׳ anderen“ (Portamento di voce) und andere mehr bei den Juden ver״ wendet werden. Übrigens läßt sich ja nach den Ländern, von denen unsere Juden kommen (Spanien und Deutschland), eine gewisse Verschiedenheit der Melodie und Intonation erkennen. Ich habe die Melodien abwechselnd in verschiedene Stimmen gelegt, wie aus der mehrstimmigen Technik sich ergab, um je nach Gelegenheit und Möglichkeit einen Kontrapunkt dazu nach Gutdünken anführen zu können.“ (M. schließt noch einige Wünsche hinsichtlich einer möglichst notengetreuen Wiedergabe seiner Komposi״ tionen an, offenbar mit Rücksicht auf die damals sehr verbreitete Unart des ״Auszierens und Kolorierens“ der Gesangskompositionen.) 25 Wenn man bedenkt, wie außerordentlich selten damals jüdische Notendrücke oder musikal. Manuskripte waren; wird man: Marcellos Irrtum verzeihlich finden. Leider ist die Unwissenheit auch der meisten heu״ tigen jüd. Musikwissenschaftler auf dem Gebiet der jüd. u. nicht jüdischen Quellenkunde noch viel schlimmer als die Marcellos.

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