Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die hebräischen Intonationen in B. Marcellos Estro poetico-armonico
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 400 (sequence 8)
- Language
- German
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400 Erich Werner verheiratet!)5 im allgemeinen von der Largesse des Hochbarock, konnte er doch gelegentlich von abstoßendem Hochmut nnd größter Voreingenommenheit sein. Dabei ist er als Musiker oftmals von einer gewissen trockenen, beinahe möchte man sagen wissenschaftlichen Steifheit. Vielleicht zeigt sich in der Bevorzugung der wissenschaftlichen und kritischen Be״ tätigung noch die alte Vorliebe des Nobile für die ars im Gegensatz zum populären usus. Es ist hier nicht der Ort, sich mit seiner musikhistorischen Bedeutung auseinanderzusetzen; wir werden uns nur mit einem einzigen Werk dieses Mannes näher beschäftigen, allerclings mit jenem, das seinen Namen weltbekannt gemacht hat und dessentwegen man ihn in Rom und Bologna zum ״Fürsten der Musik'4 ernannte21. Dieses vielgerühmte Werk sind seine 50 Psalmen; die Texte sind freie Nachdichtungen von Girolamo Giustiniani in italienischer Sprache. Die Sammlung führt den pompösen, echt barocken Titel: Estro poetico-armonico, Parafrasi sopra li primi 50 Salmi und erschien 1724—1727 bei Loviso in Venedig22 (8 Foliobände). Die Psalmen hatten ungeheuren Erfolg und wurden in S. Marco von den berühmtesten Solisten oft und oft aufgeführt. Der Ruf des Werkes verbreitete sich schnell über ganz Europa, schon 1728 führte der Komponist und Kritiker Mattheson das Werk in Hamburg auf; die Texte wurden ins Englische und Französische übersetzt und veranlaßten eine Reihe neuer Ausgaben, die bis ins letzte Drittel des 19. Jhdts. führen23. Die ausführlichen Vorreden Marcellos zu den 8 Bänden seines Werkes enthalten einiges — zumeist längst überholtes Material über die griechische und hebräische Musik, vor allem aber über die Anlässe, die ihn zur Komposition dieses großen Sammelwerkes und zur Aufnahme jüdischer Melodien bewogen haben24. Die darauf bezüglichen Stellen werden im folgenden in ziemlich wörtlicher Übersetzung zitiert: 21 Eitner a. a. O., Dommer״Schering7־ S. 443. 22 Eitner u. Domim׳er~Schering7־ a. a. O. 23 S. Prosnitz, Kompendium, Bd. II, S. 141.