Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die hebräischen Intonationen in B. Marcellos Estro poetico-armonico
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 398 (sequence 6)
- Language
- German
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398 Erich Werner Venedigs zustimmend begutachtet, war der haarscharf geführte Beweis, daß vom Talmud aus nichts der Einführung des Chorgesanges in unseren Tempeln entgegensteht, und das möge den böswilligen Mund der Widersacher verschließen. Trotz allem, was sie sagen mögen, lade ich alle unsere Getreuen ein, um in unseren Synagogen den Gesang und die Musik zu ehren und zu pflegen.. .“17 Das Werk Rossis enthält eine Reihe von Psalmkompositionen auf den Urtext im kunstvollen, mehrstimmigen sogen. Madrigalstil seiner italienischen Zeitgenossen. Es wurde beispielgebend für die Entwickelung der Kunstmusik in den italienischen Synagogen, konnte jedoch niemals den althergebrachten einstimmigen Gemeindegesang verdrängen, ja nicht einmal dessen Beliebtheit verringern. Es blieb eben eine solenne Kunstmusik, die zwar außerordentlich viele Anregungen vermittelte, jedoch in der synagogalen Liturgie nie Wurzel schlagen konnte, zumal Rossi wohl kaum erkennbare traditionelle Melodien in seinem Werke verwendet hat. Nebenbei bemerkt, hat der Komponist in anderen, vornehmlich instrumentalen Werken einen entscheidenden Einfluß auf die spätere Entwickelung der Kammermusik ausgeübt. Er war mit Monteverdi Ingegneri und vielen anderen hervorragenden Meistern gut bekannt, hat auch gelegentlich mit ihnen zusammen gearbeitet. In so guten Händen war die jüdische Musik in Venedig im 17. Jhdt., und es kann uns nicht wundernehmen, daß bei der dortigen vergleichsweise liberalen Handhabung der Judengesetze Benedetto Marcello den synagogalen Gesang gekannt und in gewissen Grenzen auch geschätzt hat. Ähnlich wie R. Leon da Modena war auch B. Marcello kein Musiker von Beruf, sondern ein Dilettant, als welchen er sich in seinen Werken häufig selbst bescheiden-stolz zu titulieren pflegt. Allerdings ein Dilettant von gewaltiger, kom~ positionstechnischer und historischer Durchbildung18. Er ist 17 Übertragen n. Nettl S. 10—12. 18 Vgl. R. Eitner in Monatshft. für Musikgesch. Bd. 23. Jahrg. 1891,, i. Aufsatz über Marcello, Nr. 11.