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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 4 · p. Seite 367

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 4
Article
Um Philons geschichtliche Stellung
Date
1937-01-01
Page
Seite 367 (sequence 13)
Language
German
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Um Phiions geschichtliche Stellung 367 wie diejenigen Ciceros und Senecas, großenteils als stilistische Leistungen gemeint, und seine Kommentare wenden sich an ein Sabbatpublikum, das alles eher erwartet als Mehrung der Wissenschaft. Wenn Gelehrte wie Ed. Schwartz dem ״Rabbi Philo'4 den Platz in der Geschichte der Philosophie bestreiten, den Zeller ihm zugewiesen hatte, so geschieht das z. T. aus Motiven, die nicht die unseren sind; aber gerade wir, die wir ihn mit seinen Nachfolgern vergleichen können, werden anerkennen, daß Männer wie Maimuni und Crescas, die auf den Titel eines ״Rabbi44 etwas höhere Ansprüche haben, ihn zugleich an wissenschaftlicher Bedeutung überragen. So gewiß also St.s Buch seinen nächsten Zweck, den fernerstehenden judaistisch gebildeten Leser in das alexandrinische Judentum einzuführen, voll erfüllt, so hat er doch für die Frage der Einordnung Phiions in das jüdische Geistesleben zwar wertvolles Material, aber keine überzeugende Lösung geboten. Ich möchte wünschen, daß ihm eine neue Aufläge bald Gelegenheit zu nochmaliger Erwägung dieser Frage bietet. Anhangsweise besprechen wir noch zwei neuere Arbeiten aus dem Gebiet der Hellenistica״Forschung. Rodolphe Schütz, Les idees eschatologiques du Livre de la Sagesse, Paris, Paul Geuthner, 1935, 199 S., 25 Frs. Die Arbeit geht den Vorstellungen des Buchs der Weisheit von Her״ kunft, Wesen und Zukunft der Seele nach. Der Verfasser gelangt zu dem Ergebnis, daß die Seele nach Ps.״Salomo nicht mit dem Körper von den Eltern erzeugt, sondern von Gott gegeben wird; sie wird nicht im plato״ nischen Sinne durch den Körper herabgezogen, ist aber wahrscheinlich mit der Erbsünde belastet. Der Mensch ist von Gott für die Unsterblichkeit geschaffen; aber durch den Neid des Teufels ist er dem körperlichen Tode verfallen; dem seelischen Tode, d. h. den Jenseitsstrafen, verfällt er nur, wenn er sich von der Weisheit abkehrt, die ihn zum Gottesfreunde erhöht und ihm zum jenseitigen ״Frieden" verhilft. Wegen dieser Jenseitserwartung ist das Glück ־— im Gegensatz zu den Vorstellungen des altbiblischen Menschen — durchaus unabhängig von der Dauer des Lebens und der Kinderzahl. Neben dem! Gericht über den Einzelnen unmittelbar nach seinem Tode nimmt der Weisheitslehrer ein allgemeines Weltgericht an. Das Buch steht also nicht mehr auf dem Standpunkt des Glaubens an die Scheol, der Gute und Böse gleichmäßig verfallen; es denkt durchaus indi״ vidualistisch und universal; von griechischen Vorstellungen ist es aber kaum berührt, mag auch die Ausdrucksweise gelegentlich durch Platon be״ einflußt sein.

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