Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Um Philons geschichtliche Stellung
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 14)
- Language
- German
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368 I. Heinemann Diese Ergebnisse gewinnt der Verfasser durch eine sehr fleißige und sorgfältige Interpretation der Belegstellen in kritischer Auseinandersetzung mit den seitherigen Ansichten, so weit sie ihm bekannt geworden sind. Leider reicht aber seine Kenntnis der Literatur nicht sehr weit. Arbeiten, die nicht ausschließlich dem Buch der Weisheit gewidmet sind, zieht er nur selten heran; nicht einmal Bousset«Greßmann und die Literatur, auf die dieser verweist (z. B. Strack«Billerbeck II 340 über Präexistenz), war ihm zur Hand, geschweige etwa meine Arbeit über die griechischen Quellen der Weisheit Salomos (Pos. met. Sehr. I 136 ff.). Diese Lücke ist um so bedauerlicher, da der Verfasser weder das rabbinische Judentum aus den Quellen kennt (nur ganz selten, im Anschluß an Vorgänger, erwägt er den Einfluß hebräischer Begriffe auf die griechische Fassung), noch in der nach« platonischen Philosophie wirklich Bescheid weiß und sich daher über die wichtige Frage, wie weit die Eschatologie des Buches mit hellenistischen Vorstellungen zusammenhängt, kein selbständiges Urteil bilden kann. Nichtsdestoweniger wird man das Buch bei der Erklärung der teilweise recht dunklen Stellen der Weisheitsschrift mit Nutzen heranziehen. Samuel Belkin, The Alexandrian halakah in apologetic literature of the first Century C. E. (New York 1936) 70 S. B. sucht zu zeigen, daß die Darstellung der jüdischen Gesetze in Josephus’ Schrift gegen Apion stark von derjenigen der Altertümer ab« weicht, dagegen eng mit derjenigen Philons in den Hypothetica (nicht in der Schrift De spec. leg., der Hauptdarstellung Philons) zusammenhängt. Während Josephus in den Altertümern Philon nicht benutzt, hat er in der Schrift gegen Apion wahrscheinlich dessen Hypothetica, jedenfalls eine alexandrinische Quelle herangezogen. Es ist B. entgangen, daß schon Wendland, Jb. cl. Philol. Sppl. XXII 711 ff. auf die Eigentümlichkeit der Darstellung der Schrift gegen Apion wie auf deren Zusammenhang mit den Hypothetica hingewiesen hat. Grundsatz« lieh neu sind nur seine Beweise für den alexandrinischen Charakter der Darstellung; und die sind fast durchweg etwas fadenscheinig. Wenn Josephus die Vertrautheit der Juden mit ihrem Gesetze zweifellos richtig mit dem! Synagogenbesuch in Zusammenhang bringt, so soll das auf das palästinische Judentum nicht gut passen, da dort die Schriftverlesung im wesentlichen nur einen Teil des Gottesdienstes bildete, während in der Diaspora die Synagoge das Lehrhaus ersetzte. Daß die Geburt von Kindern nicht mit reichlichem Weingenuß gefeiert wird, soll besser nach Ägypten passen, wo ״the joyous atmosphere at festivals“, die in Palästina vor« herrschte, gefehlt haben soll — trotz Philons bekannten Klagen über den Luxus seiner Umwelt! Daß Josephus nach Fertigstellung der Altertümer neue, griechisch geschriebene Vorarbeiten jüdischer Schriftsteller für die Schrift gegen Apion heranzog, ist anerkannt; zu ihnen wird eine stark tendenziöse Darstellung der Gesetze gehört haben. Die literarische Einordnung dieser Quelle ist aber erst möglich, wenn man außer Philon, wie längst gefordert, auch andere jüdische Werbeschriften, wie die Phokylidea, die Sibyllen und die Grundschrift der Äpostellehre im Auge behält.