Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 4 · p. Seite 366

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 4
Article
Um Philons geschichtliche Stellung
Date
1937-01-01
Page
Seite 366 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2830023-2830028-2840811--54888-2840868
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

366 I. Heinemann zu welchem die Naturbetrachtung nicht führe, ist Philon20 meilenweit getrennt21. Aber auch in wissenschaftlicher Hinsicht rückt St. Philon zu nahe an seine mittelalterlichen Nachfolger heran. Natürlich weiß er, Philon ist גם דרשן, und der Exeget stimmt mit dem Philosophen nicht immer überein; aber — auch Platon der Dichter stimme nicht immer zu Platon dem Philosophen (194). Ganz richtig — aber nur, wenn man gegen Platons offenbare Meinung die Mythen wörtlich nimmt! Und so gewiß Stein zuzustimmen ist, wenn er Phiions Verdienst um die systematische Ordnung der Gebote betont, so befremdlich mutet es an, wenn er Phiions Versuch einer Begründung der Thora״Vor- Schriften über den Maimunis stellt (296 העולה על הרמב״ם), obwohl Philon gar keine einheitliche Haltung gegenüber den Gesetzen durchführt, vielmehr ziemlich wahllos Motive nimmt, wo er sie finden kann, und die Unterschiede zwischen Anhängern des Wortlautes, Allegoristen und kynischen Umdeutern, zwischen Asketen und Vertretern der Durchschnittsmoral (Stein 255), an die er sich anschließt, nur sehr notdürftig verkleistert. Überhaupt ist Philon kein Philosoph, nicht einmal in dem weiten Sinne, in welchem Stein 227 Achad Haam so bezeichnet; seine sog. philosophischen Schriften sind, ebenso 20 Richtig urteilt über Phiions unhistorische Frömmigkeit Bousset״ Gressmann, Rel. d. Jud. 443. 21 Wenig glücklich ist auch Steins Versuch 225, 4, den unjüdischen Charakter der Stelle Leg. 118 abzuschwächen: ״eher könnte sich Gott in einen Menschen verwandeln als ein Mensch in Gott“. Das soll Redensart sein, obwohl die von Stein selbst kurz vorher angeführte Stelle De somn. I 230 ff. (s. jetzt die Anm. zur Übers.) sich über den Anthropomorphismus recht gewunden ausdrückt. 22 Auf imanche Einzelheiten, die zum Widerspruch herausfordern, gehe ich’ nicht ein. Nur wenn St. 283, 4 den Satz מצוות צריכות כוונה als Symptom eines Strebens nach Verinnerlichung hinstellt, muß ich Verwahrung ein״ legen, weil er mit diesem׳ Irrtum nicht alleinsteht. Nirgends wird gegen die Vertreter der entgegengesetzten oder einer vermittelnden Ansicht (zu letzteren gehört Maimunil) der Vorwurf der Veräußerlichung erhoben; denn was כוונה in diesem Zusammenhang bedeutet, zeigt T. Rosch hasch. 29a zur Genüge, Der Druck ist i. g. korrekt (S. 212 lies IvotdOs־co<; statt sv&iafl-eTtzoq, 291 קיניסמום (so auf S. 292) für קיביקיסמום ), aber stellenweise unsauber.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.