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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 4 · p. Seite 365

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 4
Article
Um Philons geschichtliche Stellung
Date
1937-01-01
Page
Seite 365 (sequence 11)
Language
German
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Um Phiions geschichtliche Stellung 365 Trotz solcher Übereinstimmungen möchte sich St. mit neueren Versuchen, Philon zu ״hebräisieren“, nicht gleichsetzen. Aber ich glaube, er hätte noch etwas stärker von ihnen abrücken sollen. St. 291 erkennt zwar an, daß Philon kein Hebräisch verstanden und die Bibel außer der Thora nur oberflächlich gekannt hat. Aber er macht sich und seinen Lesern die Folgen dieses Tatbestandes nicht klar. Er betont zwar, daß griechische Begriffe und Methoden (236; 171) bei Philon einen anderen Sinn haben als bei seinen Lehrmeistern, nicht aber, daß er die jüdischen Begriffe des Bundes und der Heiligkeit sowie die Bedeutung der Nächstenliebe nicht kennt, da deren Sinn durch die LXX verschleiert wurde17. Bezeichnend ist die einseitige Behandlung der Reue 278 f.: in dem Ergebnis, daß [lerdvoia für Philon etwas anderes bedeutet, als für die Griechen, trifft St. unbewußt mit bedeutenden Philologen zusammen18; wie weit aber Phiions Begriff inhaltlich und der Bewertung nach von dem biblischen entfernt bleibt, für welchen das rabbinische Judentum den Terminus תשובה geprägt hat, fragt er nicht19. Kaum minder stark wirkt sich die lückenhafte Kenntnis der Bibel aus. St. stellt Phiions ״Historiosophie“ neben diejenige Jehuda Hallevis (294 f.); in Wahrheit hat Philon von der Geschichte Israels zwischen Exodus und Gegenwart kaum eine Ahnung und entnimmt seine Beispiele mit Vorliebe der griechischen Geschichte und Sage; von der Lehre des Kusari II 32, daß Gott n u r in der Geschichte Israels, zumal im Wunder, walte und daß von hier aus der Gottesbegriff zu gewinnen sei, 17 Ich habe das mehrfach betont, zuletzt in einem Aufsatz ״was beim Übersetzen verloren geht'" Jüd. Schulzeitung vom 1. 4. 1935, wo auf weiteres verwiesen ist. 18 Auf Norden, Agnostos Theos 134 ff. u. a. verweist jetzt E. K. Dietrich, Die Umkehr (1936) 227 ff. 19 Das Verhältnis Phiions zur griechischen wie zur jüdischen Denkweise bespricht Dietrich 38; 287ff. Ich sähe nur gern noch betont, daß Philon seinen Begriff der ״Umkehr“ (das Wort Busse vermeidet D. mit Recht) gar nicht als biblisch empfinden konnte, da die LXX, wie D. beweist, שוב nie mit IjlstgvosTv wiedergibt, während die Verwurzelung der rabbinischen mwirLehre in der Bibel, an sich selbstverständlich, durch die treffliche Arbeit D.s aufs neue veranschaulicht wird.

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