Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Um Philons geschichtliche Stellung
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 10)
- Language
- German
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364 I. Heinemann aus das Doppelantlitz des Mannes erklären lassen, der zwischen dem wissenschaftlichen Ideal des ßio<z &ea)prjztx(k und dem mystischen des ävvjp opaztxtk schwankt14, ohne einen Ausgleich zu finden, ja, ohne die Spannung klar auszusprechen. Mag G.s Monographie Philon zu einseitig von der letzteren Seite sehen, so ist es jedenfalls zu bedauern, daß St. fast nur die erste sieht und z. B. die erheblich abweichende Ansicht Paschers (G. war ihm noch nicht zugänglich), soviel ich sehe, nicht einmal in polemischer Auseinandersetzung erwähnt. Zweifellos durch den Leserkreis geboten ist aber die ständige Rücksicht auf die diesem bekannte Geisteswelt, also die Aggada und namentlich die Religionsphilosophen des Mittelalters. Es kommt dem Buche sehr zu statten, daß St. nicht nur in die klassische Altertumswissenschaft, sondern auch in das jüdische Geistesleben (anscheinend allerdings mit Aus- Schluß der Kabbala) eingearbeitet ist. Das Bild von Phiions Verhältnis zu den Mitstrebenden gleicher und späterer Zeit im Judentum, das St. entwirft, hat daher Anspruch auf ernsteste Prüfung. Sehr häufig hebt St. Übereinstimmungen zwischen Philon und seinen Nachfolgern15 hervor. Soweit sie sich aus der Gemeinsamkeit der religiösen Grundlage ergeben mußten, wird man seiner Auffassung durchaus zustimmen (zu S. 285, Umbildung des wissenschaftlichen Eros Platons im religiösen Sinne, hätte auf Maimuni, H. Tesch. X 3; 6 verwiesen werden können). Soweit sie allerdings auf der Nachwirkung der griechischen Logoslehre beruhen, befriedigt St.s Darstellung nicht völlig, da ihm die neueren Untersuchungen über die Logoslehre im jüdischen Mittelalter nicht bekannt sind16. 14 Heinemann, Krolls RE V A 2324; XVI 371. In dieser Feststellung liegt zugleich, meine Antwort auf die Frage Goodenoughs S. 164 (oben S. 358). 15 Die Beziehungen zu den Philosophen werden in dieser Arbeit St.s weit stärker berücksichtigt als diejenigen zur Aggada. — Benutzung Phiions im Midrasch Tadsche (Stein 300) hatte bereits A. Epstein REJ. XXI 80 ff., XXII 1 ff. zu erweisen gesucht. 16 Vor allemt G o 1 d z i h e r, REJ. L 32 ff., daneben M. B i e 1 e r, Der göttliehe Wille (Logosbegriff) bei Gabirol 1933. Bezüglich der antiken Logoslehre sind Leisegangs Artikel Logos und Sophia in Krolls RE. nachzutragen.