Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Um Philons geschichtliche Stellung
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 5)
- Language
- German
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lim Phiions geschichtliche Stellung 359 einfach durch die entsprechenden Fremdwörier der heutigen Sprachen wiederzugeben. Auch G. tut das. In Wahrheit sind die griechischen Wörter4 weit stärker und in anderer Richtung abgesdhliffen als die neueren; p6arrjq kann jeder Kenner einer besonderen, einem engeren Kreise vorbehaltenen Wahrheit heißen; daher kann der Verfasser des phokylideischen Gedichts unter den sehr nüchternen Auszug aus den jüdischen Gesetzen Yers 229 die Worte setzen: dies sind die pvorfjpta der Gerechtigkeit; die Weisheit Salomos kann es 222 den schlechten Menschen zum Vorwurf machen, daß sie Gottes puavr/pta nicht kennen. Hier ist unter den ״Mysterien66 nur das Judentum und zwar in seinem am wenigsten geheimnisvollen Teil, der Ethik, verstanden. In engerem Sinn braucht Pliilon das Wort von einer Gruppe innerhalb des Judentums, indem er entweder, dem philosophischen Sprachgebrauch folgend, die Kenner der wissenschaftlichen Lebensanschauung im Gegensatz zu den Laien oder im Sinn der Homer-Erklärer die Erforscher des geheimen Sinnes im Gegensatz zu der beim Wortsinn stehenden bleibenden Menge so bezeichnet5. Auch hier liegt das tertium comparationis darin, daß diese Lehren oder Methoden nur einzelnen zugänglich sind; die Ausdrücke beweisen aber weder, daß diese einzelnen organisiert waren, noch daß ihre Lebensanschauung mystisch im strengen Sinne war, also auf Einigung mit der Gottheit hinauslief. Wenn Philon die Mitteilung der allegorischen Methoden und ihrer Ergebnisse auf diese Erlesenen beschränkt wissen will, so ist das verständlich, da die Vorgänge, die die Allegoristik voraussetzt, dem Wortsinn nach höchst anstößig sind; G. 160 wird recht haben, daß Philon Rebekka und Sara gleichgesetzt, dem Isaak also die Ehe mit seiner Mutter, natürlich in allegorischem Sinne, zugeschrieben hat. Die im Judentum (und natürlich 4 Derselbe Fehler liegt vor, wenn Bousset Phiions cpuaizoi mit heutigen Physikern gleichgesetzt und ihnen unreligiöse Gesinnung zugeschrieben hat; s. o. Jg. 1923, 286. Auch G. 31 setzt sie in zu scharfen Gegensatz zu den Mystikern. 5 Ich habe oben Jg. 1922, 273 Belege gegeben und gezeigt, daß beide Bedeutungen leicht zusammenfließen konnten, da die Philosophie natürlich den Inhalt der allegorischen Deutungen liefert.