Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Um Philons geschichtliche Stellung
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 358 (sequence 4)
- Language
- German
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358 I. Heinemann seiner Erfüllung. Dies mystische System hat Philon nicht erst geschaffen, er setzt es vielmehr bei seinen Lesern als bekannt voraus; höchstwahrscheinlich gab es jüdisch-mystische Organisationen mit Einweihungsritus und kultischem Mahl. Spuren dieses Mysteriums sucht G. in den außerphiionischen hellenistischen Schriften, zumal im Buch der Weisheit, aber auch in Gebeten der Diaspora und vor allem in der synagogalen Kunst nachzuweisen und auch das Verhältnis zur Kabbala zu bestimmen. Weitblick, Gelehrsamkeit, Scharfsinn und Kombinationsgäbe kennzeichnen G.s Werk. Es stellt uns vor die Frage: 1. ob es ein solches Mysterium, wie es G. beschreibt, als Organisation und als Lehre, gegeben hat; 2. ob allgemein der jüdischen Mystik die religionsgeschichtliche Bedeutung zukommt, die er ihr zuschreibt. Ob Phiions Absicht, mindestens in den allegorischen Schriften, in der Darlegung eines Mysteriums lag, wie es nach S. 5 f. scheinen möchte, wird im Laufe der Darstellung G. selbst zweifelhaft. Er läßt es S. 164 dahingestellt, ob Philon nicht etwa nur die Begriffssprache der Mysterien als Bild (figure) benutzt, um seine eigenen weit stärker philosophischen Anschauungen darzustellen. In der Tat muß er auf Schritt und Tritt anerkennen, daß sich mit den mystischen Anschauungen ganz andere kreuzen und daß das W esentliche, z. B. die Unterscheidung der Mysterien des Aron und des Moses, bei Philon gar nicht steht. Aber als Zeugen für ein jüdisches Mysterium läßt er Philon unbedenklich gelten. Und gewiß haben jene radikalen Allegoristen, die Sabbat und Speisegesetze nicht buchstäblich innehielten, der Mystik erheblich näher gestanden als Philon selbst. Daß es aber überaus schwer ist, von Philon aus auf diese Vorgänger zu schließen, wurde bereits bei der Beurteilung ähnlicher Versuche gezeigt3; gegen denjenigen G.s sind einige neue Gesichtspunkte anzuführen. Man pflegt die Worte [vjarr^ und pu0T7jptov bei Philon 3 Über Leisegang o. Jg. 19227 272 ff.; über Norden und R. Kittel, die G. nicht zu kennen scheint, Jg. 1925, 344 ff. Das Bedenken, daß diese Forscher den exegetischen Zwang nicht genügend beachten, gilt auch für G. und seinen nächsten Vorgänger Pascher.