Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Um Philons geschichtliche Stellung
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 357 (sequence 3)
- Language
- German
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lim Phiions geschichtliche Stellung 357 Judentum bezeichnend, sondern im Hellenismus weit verbreitet; unter seinem Einfluß batte man andere orientalische Religionen umgedeutet; die Geisterwelt des Parsismus wurde zum Pieroma, zu einer Hierarchie von Mittelwesen, deren niederstes Führer zum höheren wird; die Geschichte der Isis wurde zum Mysterium der sexuellen Vereinigung mit Gott. Beide Vorstellungen vom Wege zu Gott finden sich bei Philon: die erstere als Lehre von den Mittel wesen oder Kräften (auf deren Ausgestaltung auch die Vorstellung vom Herrscher als Heiland gewirkt haben mag), die zweite in der Lehre von der Befruchtung der Patriarchenfrauen durch Gott. Nun ist aber zwischen einem niederen und einem höheren Mysterium zu unterscheiden. Jenes ist das Mysterium Arons; denn dieser ist nicht Symbol des Logos schlechthin, sondern nur, soweit er in der Welt erscheint; demgemäß sind Arons Kleider Symbole des Kosmos: wer ihm folgt, hat zwar sein Ich zum Kosmos er־־ weitert, aber die Welt noch nicht überwunden. Dies geschieht im Mysterium des Moses, der da, wo Philon am offensten spricht, durchaus als göttliches Wesen anzusehen ist und als solches die Weisheit befruchtet; wer diesem Hierophanten folgt, muß insbesondere die Ritualgesetze im Wortsinne völlig überwinden, um Israel, d. h. Gottschauer, zu werden. Auf dieser Stufe wirkt die Bundeslade nicht als Kultobjekt, sondern als Symbol der über die Erscheinungswelt hinausführenden Kräfte. Den Weg zur mystischen Vollendung sind sämtliehe Patriarchen gegangen (und nur deshalb wird uns ihre Geschichte erzählt); Abraham z. B. reißt sich von der Sinnenweit (Chaldäa) los, sieht die göttlichen Kräfte (drei Engel) und tritt überdies mit der Weisheit (Sara) in fruchtbare Verbindüng; Jakob löst sich von Esau, kann noch im Vaterhaus dem Isaak die ״mystische Speise6‘ reichen, erblickt dann im Traum die Himmelsleiter als Darstellung der göttlichen Kräfte und wird nach Durchschreiten des Stromes (der Affekte) zum Gottschauer Israel. Dies Mysterium ist zugleich Metaphysik als Lehre von der Wirkung Gottes auf die Materie (die hier nur als Gegenstand göttlicher Wirkung, nicht, wie im Neuplatonismus, als letzte Stufe des Emanation erscheint), zugleich ..Ethik66 als Lehre vom Sehnen des Menschen nach Gott und