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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 3 · p. Seite 289

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 3
Article
Neueres Schrifttum zur jüdischen Sagen- und Stoffgeschichte
Date
1937-01-01
Page
Seite 289 (sequence 4)
Language
German
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Neueres Schrifttum zur jüd. Sagen« und Stoffgeschichte 289 lein — Babylonier; Stöcklein — Cyrus, Persien; Feuer — Alexander der Große; Wasser — Römisches Reich; Ochs — Sarazenen; Schächter — Gottfried von Bouillon; Todesengel — Türke. — Diese Deutung, vom Täufling Philipp Nicodemus Leberecht plump nachgeschrieben, machte Schule. Überraschend, wie diese Künstelei sich verbreitet und behauptet hat. 1736 schreibt Joh. Caspar Ulrich, Pfarrer in Zürich, daß die Züricher Kinder das Lied vom Birnlein, das nit fallen will, zu Ostern auf der Straße von Judenkindern gelernt hätten. Und noch 1918 meint Yrjö Hirn, daß heutzutag Niemand den Sinn des jüdischen Zicklein-Märchens erschließen könne; es sei ursprünglicher als das recht gedankenlose europäische Kindermärchen. ״Andererseits erscheint es durchaus nicht ausgeschlossen, daß die Christen, sei es bei ihren Kreuzzügen nach Palästina, oder späterhin in Europa, das Zickleingedicht kennen gelernt haben könnten.“ (S. 38.) Über den Ursprung hatte auch der Kulturforscher Tylor ähnlieh geurteilt. Und ein so besonnener Forscher wie Reinhold Köhler erklärt ohne Bedenken, daß die Vorstellung ״Und wenn der Himmel wär9 Papier“ ebenso wie das Lied vom Zicklein, sowie auch ״Eins das weiß ich, einig ist unser Gott“ aus jüdisch-religiösen Liedern den europäischen Christen bekannt wurden (Kleinere Schriften III 355)-1 Haavio selbst neigt auch dieser Anschauung zu. Ihm erscheint es keineswegs ausgeschlossen, ״daß nicht auch der Inhalt des Zicklein-Kettenmärchens einem religiösen Rituale entnommen sein könnte,1 der Gedanke einer Aufführung desselben bei religiösen Gelegenheiten läge immerhin näher als die Vorstellung, daß es 1 Auch Prof. H. Grimme schreibt: ״Das Zicklein, das der Vater gekauft, wird das jüdische Osterlamm sein; wenn das deutsche Lied diesen Hauptzug des jüdischen nicht hat ־ und Nebensächliches zur Hauptsache macht, so spricht das für Alter und Priorität des jüdischen und spätere Entstehung des deutschen Liedes. Der Gedanke einer Entlehnung aus jüdischer Quelle liegt um so näher, als noch ein anderes Hauptlied der Lambertusfeier im ״Zahlenlied“ der Peßachfeier wurzelt und nur im christlich gefärbten Inhalt der Zahlengruppen von jenem abweicht. So sieht man, wie die jüdische Peßach-Haggadah schon im Mittelalter die Augen der Christen auf sich gezogen und!mit gewissen naiv-kindlichen Einzelheiten zur Nachahmung gereizt hat.“ (Beilage zur ״Vossischen Zeitung“ vom Sonntag, 14. Oktober 1928.) Monats schriift, 81. Jahrgang 19

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