Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Neueres Schrifttum zur jüdischen Sagen- und Stoffgeschichte
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2830023-2830027-2840695--54778-2840760- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
288 Bernhard Heller Frage: Was ist das Stärkste? (84—87) auch die alte Aggada zu beachtenT worüber gleich weiteres. FFC 88 und 99, Martti Haavio, Kettenmärchenstudien I, 1929, II 1932 gehören ganz vorzüglich in den Kreis der jüdisehen Literaturforschung. Kettenmärchen oder Häufungsmärchen heißen die Volksüberlieferungen, für die als Musterbeispiel חד גדיא und אחד מי יודע gilt. Haavio untersucht eingehend drei Kettenmärchen: 1. Das Zickleinlied, Chad Gadja, im Anschluß an das deutsche Volkslied: Der Herr der schickt den Jockli aus (Das Birnlein will nit fallen, KHM 72a, Bolte- Polivka, Anmerkungen II, 100—108). 2. Was hätte ich sagen sollen? Ein Dummkopf sagt und tut immer das Verkehrte, indem er das, was er vorher zu sagen und zu tun unterlassen hat, zur Unzeit vorbringt: bei einer Ernte, bei einem Leichenhegängnis, bei der Geburt eines Kindes, bei einer Hochzeitsfeier, bei einer Feuersbrunst, beim Streit der Tiere. 3. Hahn und Henne. Einem Hahn bleibt ein Korn im Halse stecken. Die Henne läuft zur Quelle um Wasser, doch die Quelle verlangt vorher ein Blatt vom Baume und so wird die Henne verschickt zum Baum, zur Jungfrau, zum Schuster, zum Müller, Drescher usw.; — bis die Henne mit dem Wasser zurückkehrt, ist der Hahn erstickt. Die ersten Abschnitte: ״Die Geschichte der Kettenmarchenforschung“, ״Ursprung der Kettenmärchen46, gehen vom Chad Gadja aus und sind fast ganz ihm gewidmet. Diese Forschung setzt mit Johann Christoph Wagenseil ein, der das חד גדיא und das אחד מי יודע deutsch mitteilt und gegen die schon damals verbreitete Meinung ankämpft, ״daß das Lied vom Zicklein einige Heimlichkeiten enthalte46, und eher meint, daß es ״nur bloß zur Lust, und dabey um ein gutes Gedächtnis in dessen richtigen Wiederholung zu zeigen, gemacht sei44. Wagenseil widerlegt den Brief des ״Prager Rabbiner44, in welchem es u. a. heißt, daß Stock den Jakob bedeute, Hund — Esau, Feuer — Krankheit, Wasser — Moses, Ochs — Israel, Zicklein — Messias. Der Helmstädter Probst Hermann von der Hardt gibt 1737 folgende Deutung: Vater — Gott; Zicklein — Israel; 2 Pfennige — Moses und Aaron; Kätzlein — Assyrer; Hünd-