Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Abrabanels Stellung zur Agada
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 5)
- Language
- German
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274 Juda Bergmann Stab auf spätere Geschlechter über, kam dann in den Besitz Davids und seiner Nachfolger und wird dereinst dem Messias übergeben werden11. In der Dämmerstunde des sechsten Schöpfungstages wurde, wie die Agada erzählt, auch der Esel des Messias erschaffen. Mit ihm brach Abraham nach Moriah auf, um dort Isaak zu opfern; auf ihm kam Mose nach Mizrajim und auf ihm wird dereinst auch der Messias in Jerusalem einziehen12. Ähnlich erzählt die christliche Legende vom Kreuzesholz, das vom Baume der Erkenntnis im Paradiese stammte, oder vom Steine, auf dem Jakob schlief und auf dem später die englischen Könige gekrönt wurden13. In allen diesen Kombinationen ist der Gedanke enthalten, daß alle Ereignisse der Geschichte in einem geheimnisvollen Zusammenhange stehen und nach einem einheitlichen Plan verlaufen. Abrabanel jedoch sieht auch in diesen Kombinationen der Agada eine Allegorie. Nach ihm will die Erzählung vom Esel des Messias aussprechen, daß der Messias gleich Abraham und Mose den ״sinnlichen Trieb“ bezwingen und der Herrschaft der Vernunft unterwerfen werde14. Wie im Pentateuchkommentar der Erklärung eines Schriftabschnittes, so pflegt Abrabanel auch der Erklärung einer Agadastelle oft mehrere Fragen voranzuschicken. Nicht selten gibt er bei der Erklärung einer Agadastelle mehrere allegorische Deutungen für denselben Ausspruch. So erklärte er, daß das Wort des Jirmeja b. Eleasar, die Hölle habe drei Eingänge, einen in der Wüste, einen im Meere und einen in Jerusalem, aussprechen wolle: Der Strafe werden dereinst anheimfallen, die gleich den Einsiedlern der ״Wüste“ sich kasteien, aber auch die, die in den Freuden dieser dem ״Meere“ gleichenden Welt ganz auf gehen und die Sündigen ״Jerusalems“, d. h. Israels. Sogleich aber fügte er eine zweite allegorische Deutung hinzu: Bestraft werden dereinst die Sündigen in Israel (״Jerusalem“), aber auch die Sündigen in den beiden Religionen (״Meer“ und ״Wüste“), die von der jüdischen Religion ausgegangen sind15. 11 PdRE. 40, Jellinek B. h. I 42 f. 12 Jalk. Zach. 90 §: 575. 13 Delehaye, Die hagiographischen Legenden 38 f. 14 Jeschuot 48a, b. Das Wort חמורו deutet Abrabanel: שיהיה חמרו ויצרו בכבע וכבוש לשכלו תמיד 15 Erub. 19a, vgl. Jeschuot 16a.