Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Abrabanels Stellung zur Agada
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2830023-2830027-2840693--54758-2840744- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
272 Juda Bergmann Es gibt, wie Abrabanel weiter erklärt, noch einen dritten Weg, den Maimoriides, Abraham ibn Esra, Gersonides, Samuel Motot und Levi b. Abraham aus Villefranche einschlugen, als sie die Agada mit der Philosophie harmonisierten. In Wahrheit jedoch seien die Worte der jüdischen Weisen von der Philosophie so weit entfernt wie der Osten vom Westen. Wie von den philosophisch Gebildeten die philosophischen Ideen, so wurden von den Kabbalisten mystische Gedanken in die Agada hineingedeutet. Abrabanel jedoch erklärt, auch den Kabbalisten sich nicht anschließen zu können, da er der Kabbala fremd gegenüberstehe und zu den Trägern dieser Wissenschaft nicht gehöre. Darum ist er entschlossen, die Agada weder als Gegenstand der Polemik zu behandeln, noch sie abzulehnen, noch sie philosophisch oder kabbalistisch zu deuten, sondern sie natürlich und einfach, ihrem Ursprung und Geiste entsprechend zu erklären.4 3. Seine eigene Stellung zur Agada bekundet Abrabanel nicht etwa in einer systematischen Darlegung, sondern in einzelnen, gelegentlichen Erklärungen agadischer Aussprüche und Legenden. Natürlich und einfach ist Abrabanels Erklärung der agadischen Aussprüche über die Leiden des vormessianischen Zeitalters. Da von den Propheten für die messianische Zeit Glück und Gnaden verheißen worden waren, haben, wie Abrabanel meint, die Weisen angenommen, daß das Zeitalter vor der Ankunft des Messias arm an Gnaden und reich an Leiden sein werde. Darum haben sie von dieser Zeit ausgesagt :״Die Weisen jünger werden in ihr weniger, die Augen der Übriggebliebenen vergehen vor Gram und Jammer, viele Drangsale kommen über die Gesamtheit und die harten Ver- Ordnungen erneuern sich fortdauernd“. ״In dem Geschlechte, in dem der Messias kommen wird, werden die Gelehrten angefeindet werden“. Oder: ,,Der Sohn Davids kommt nicht eher, als bis alle Richter in Israel geschwunden sein werden“5. Eine natürliche Erklärung gibt Abrabanel auch dem Worte R. Assi’s, der Sohn Davids werde nicht eher kommen, als bis alle beim Beginn erschaffenen Seelen in den ״Guf“ eingetreten 4 Jeschuot 17b. 5 Sanh. 97a> Ketub. 112b> Sanh. 98a? vgl. Jeschuot 33b7 34a.