Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Staatsauffassung des Don Isaak Abrabanel
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 13)
- Language
- German
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Die Staatsauffassung des Don. Isaak Abrabanel 269 monarchistische Stimmungen äußerst selten anzutreffen33b. Für das jüdische Mittelalter ist, wie für das allgemeine, das Königtum die selbstverständliche Staatsform, nur daß bei jüdischen Denkern der Gedanke an die Mängel, welche die reale Monarchie mit sich brachte und welche sie bedrohten, in Wegfall kam. Die Renaissance hat mit der Wiederbelebung der Antike auch die antiken Staatsanschauungen zu neuer Geltung gebracht, zumal die Opposition des Römertums der ,.klassischen“ Zeit gegen die Herrschaft eines einzelnen und das Problem des Staates in seiner ganzen Weite von neuem zur Diskussion gestellt34. Die Juden nahmen zwar an dieser Bewegung geringen Anteil; Abr. hatte aber als Staatsmann die Gelegenheit, die Staatsaüffassungen seiner christlichen Zeitgenossen kennen zu lernen. Die grundsätzlich republikanische Einstellung des Abr., die er noch aus Spanien, wo cler Absolutismus zur Herrschaft gekommen war, mitbrachte, raag in Italien eine Verstärkung gefunden haben. Er hat aber immer die Dinge durch die Brille des Judentums gesehen. Das zeigt sich in seiner theokratischen Idee, von der bereits die Rede war, und in seiner Stellung zum Problem des Tyrannenmordes. Er zitiert die Ansicht nichtjüdischer Gelehrter, mit denen er über diese Frage diskutierte, die den Tyrannenmord für berechtigt halten35. Er glaubt ihnen aber nicht zustimmen zu können36. Das Volk, welches einem 33t> Aptowitzer, Parteipolitik 49 f. 65 und‘ MGWJ 1930 S. 117 f. Heine« mann S. 187. ־.?3 ״Vgl.•Meinecke a. a. O. S. 35 ff. 35 Der Tyrannenmord galt in Italien nach, antiker Anschauung (z. B. Cicero de off. III 32) geradezu als ehrenvolle Handlung; vgl. Burckhardt S. 53. Boccaccio sagte ״es gibt kein lieblicheres Opfer als Tyrannenblut" (ib. S. 54). Über die Stellung des Christentums zu dieser Frage vgl. RGG 2, Aufl. V, Sp. 1333. Über die Bewegung der Monarchomachen, die den Tyrannenmord zur Pflicht erhoben hatte, vgl. Staats« und Völkerrechtliche Abhandlungen, hrsg. von G. Jellinek und G. Meyer, Bd. I, Heft I, 1898. 36 Da er über diese Frage im Dtkmt. (296d) spricht, meint er vielleicht mit den christlichen Gelehrten Italiener: וחכמי האומות חקרו ונתבו בדרוש הזה וגזרו אומר שראו לעם לעשותו כמו שעשו השבטים לרחבעם ואני דברתי בדרוש הזה לפני מלכים עם חכמיהם והוכחתי שאינו מן הראוי ושאין יכולת לעם למרוד במלכם*•" Die Tatsache, daß die Diskussion über Problem׳ des T. sich in der Anwesenheit eines Königs abspielte, scheint