Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Schicksal eines Namens
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 6)
- Language
- German
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Das Schicksal eines Namens 215 Theon über die Epikureer, ,,ist schimpflicher, als ohne Freunde und untätig zu sein, das Dasein Gottes zu leugnen, nur der Wollust zu pflegen — Grundsätze, von denen jedermann annimmt, daß sie dieser Schule angehören'‘14. Durch Plutarch ist die Behauptung von Epikurs Atheismus der arabischen Philosophie und durch sie einzelnen Lehrern des Judentums vermittelt worden, wie Simon Duran, der Epikur, und Isaak Arama, der auch die Epikureer für Gottesleugner erklärte. 5. Die Bedeutung des Namens ״Epikuros“ weist im Judentum verschiedene Nuancen auf. Bald bedeutete er Unfrommer oder Leugner der göttlichen Vorsehung, bald dagegen Zerstörer des göttlichen Gebotes oder Verächter der Gesetzeslehrer. Ein Epikureer hieß, wer die Möglichkeit einer Offenbarung an die Propheten oder die Prophetie des Mose leugnete, aber auch wer über die Wunder er zählun gen des Talmud spottete. Simon Duran und Isaak Arama hielten die Epikureer für Atheisten. Allein so verschiedene Nuancen auch die Bedeutung des Namens aufwies, keiner wies etwa auf das Unsittliche oder Zügellose im Leben Epikurs und der Epikureer hin. Der ״Epikuros“ galt als ungläubig, und das Wort ״Epikureertum“ bedeutete im jüdischen Schrifttum Geringschätzung der Religion und ihrer Gebote. Anders war es in der nicht jüdischen Literatur, wo dieses Wort Wollust und Schwelgerei bedeutete. So erhielt das eine Wort im Judentum und in der nicht jüdischen Literatur zwei grundverschiedene Bedeutungen. Als Schwelger und Schlemmer wurden Epikur und seine Jünger zuerst von den stoischen Gegnern hingestellt. Ein Stoiker Diotimos gab fünfzig unzüchtige Briefe als Epikurs Geisteserzeugnisse aus. Von Poseidonios wurden ungünstige Nachrichten über den Lebenswandel Epikurs verbreitet. Selbst die Übel, an denen Epikur starb, wurden als die Folgen seines ausschweif enden Lebens hingestellt15. Die römische Stoa unterließ zwar die persönliche Verunglimpfung Epikurs, trotzdem hörte sie nicht auf, die Epikureer zu bekämpfen. So erzählte Cicero von Epikur, daß er ״die Wollust gewaltig 14 Cic. de nat. deor. I 44, 123; I 30, 85; III 1, 3, vgl. Heinemann, Posei״ donios II 105; Plutarch, Non posse 19 p. 1100 C. 15 Diog. Laert. X 3. 4. 7.