Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Schicksal eines Namens
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 3)
- Language
- German
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212 J. Bergmann Erbauer der Welt plötzlich sich erhoben und unzählige Jahrhunderte vorher geschlafen habe“. Dieser epikureische Einwand war sowohl den Lehrern des Judentums als auch den Kirchenvätern bekannt, und um ihn zu widerlegen, nahmen beide eine ewige Schöpfertätigkeit Gottes an5. Von den Epikureern, die an die Untätigkeit der Götter glaubten und das Walten der Vorsehung leugneten, ging vielleicht auch die Frage aus, die von einem ״König“ an die jüdischen Ältesten in Rom und von einer römischen Matrone an Jose b. Chalafta in Sepphoris gerichtet wurde, die Frage, was Gott seit der Weltschöpfung tue. Diese und ähnliche Fragen, die sich auf den Pfaden der antistoischen, epikureischen Skepsis bewegten und um deren willen auch Origenes in Celsus einen Epikureer sah, hatte wohl Eleasar b. Arach im Auge, als er lehrte: Sei emsig im Torastudium und wisse, was du dem Epikureer erwidern sollst6. 2. Anders als im Zeitalter der Tannaiten und Amoräer war es im Mittelalter, als die Juden mit der Philosophie des Plato und Aristoteles in Berührung kamen und auch die Lehre des Epikur kennen lernten. Als Träger und Vermittler der althellenischen Kultur haben die Byzantiner den Völkern des Ostens, den Syrern und Arabern, den Plutarch gebracht7, aus dessen moralphilosophischen Schriften die arabischen und durch sie auch die jüdischen Philosophen ihr Wissen um die Lehre Epikurs schöpften, z. B. daß er die Unsterblichkeit der Seele, das Walten der Vorsehung, ja das Dasein Gottes leugnete und auch das Wahrsagen und Prophezeien verwarf8. Gleich den Tannaiten sah noch der Gaon Saadia in dem Epikureer einen Gegner der Tora und der Überlieferung. Wie für die Amoräer, so war auch für Isaak Abarbanel ein Epikureer gleichbedeutend mit einem, der die Grundlehren der Tora leugnete und die Worte der Weisen geringschätzte. Hillel von 5 Cic. de nat. deor. I 9, 21; Abahu Gen. r. 3; Orig, de princip. I 2, 10, vgl. Geffcken^ Aus der Werdezeit d. Chr. 110 f. 6 Gen. r. 10. 68; Geffcken, Zwei griechische Apologeten 256; Eleasar b. Arach M. Ab. 2, 14. 7 Rudolf Hirzel, Plutarch, Leipzig 1912, 101. 8 Plutarch, Non posse suaviter vivi 23 p. 1103 E; 21 p. 1101 C; 19 p. 1100 C; Ps.״Plutarch, Placita philosophorum V 1.