Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Schicksal eines Namens
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 2)
- Language
- German
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Das Schicksal eines Namens 211 Frage, wer ein ״Epikuros66 sei, antworteten R. Jochanan und R. Eleasar. Einer von ihnen meinte: wer da spottend spricht ״dieser Schriftgelehrte66, der andere dagegen erklärte: wer spottend ausruft ״diese Rabbinen662. Zusammenfassend kann folgendes gesagt werden: Philo und Josephus, die den Epikureismus gekannt haben, hielten die Epikureer für unfromm, nicht aber für gottlos. Philo unterschied ausdrücklich zwischen epikureischer Unfrömmigkeit und ägyptischer Gottlosigkeit2 3. Als ״epikureische Unfrömmigkeit66 galt Philo und Josephus vor allem der Glaube, daß die Welt ohne Führer und Berater aus eigener Kraft bestehe und daß im menschlichen Leben keine Vorsehung walte. Einmal legt Josephus dem Worte ״Epikureer66 einen anderen Sinn bei. Er erzählt von Pompedius, einem Manne von Senatorenrang, der ״im Übrigen ein Epikureer war und sich deshalb einem untätigen Leben hingab66, wohl indem er sich vom öffentlichen Leben fernhielt4. Im Gegensatz zu Philo und Josephus haben die Tannaiten und Amoräer die Lehre des Epikur ebensowenig gekannt wie die der anderen Philo־־ sophen, wenn sie auch das Wort ״Epikuros66 in ihren Sprachschätz auf genommen haben. Vielleicht war es die hellenistische Halbkultur, die, kraftlos und verwässert, zu Kampfspielen und weltlicher Lust einladend, in Palästina eindrang, in der die Lehrer des Judentums eine Aufforderung zum ״Zerstören des göttlichen Gebotes66 und ״Verachten der Gesetzeslehrer66 sahen und der sie den Namen ״Epikureertum66 beilegten. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß zu den ״Philosophen66, d. h. den griechisch gebildeten Heiden, die mit den jüdischen Weisen zusammentrafen, auch Epikureer gehörten und epikureische Gedanken und Zweifel so zu den Juden, wenn auch ganz vereinzelt, hinüberkamen. So erzählt Cicero, daß die Erschaffung der Welt zu einem bestimmten Zeitpunkt den Epikureern nicht zusagte. Sie konnten nicht begreifen, was denn der Schöpfer der Welt vorher getan und ״weshalb der 2 j. Sanh. 27d; vigi. Sanh. 99b, 100a. 3 Philo, de posteritate Caini 1. 4 Philo, leg־, alleg'. HI 30; vg־l. Friedländer, Sittengeschichte Roms IIP 185; Jos. Ant. X 11, 7; XIX 1, 5. 14*