Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die spanisch-jüdische Bilderbibel um 1400
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 11)
- Language
- German
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Eine spanisch-jüdische Bilderbibel um 1400 203 Verzierung, die weniger häufig verwendet wird: magere, langgezogene Akanthusblätter rollen sich spiral um dünne Stäbe, zwischen zwei Reihen goldener Tupfen ein. Manchmal bilden die Akanthusblätter Medaillons, aus denen menschliche Gesichter hervorlugen. In vielen, übrigens mannigfaltigen und äußerst individualisierten Menschentypen ist bei einem der Maler (Abb. 2) die Beeinflussung durch die italienische Malerei feststellbar. Und zwar äußert sich dieser Italianismus in Anlehnung an die Erzeugnisse zweier einflußreicher und für Export arbeitender Schulen, der von Siena und von Bologna. In der lyrischen Schönheit mancher Frauen- und Jünglingsköpfe klingt wie ein fernes Echo der Typus Simone Martinis nach, so z. B. in dem Kopfe des jungen Mannes, der den Worten des Propheten Jeremias lauscht. Andere Gesichter, wie das der den alten Dawid pflegenden Bathseba, mancher Männer in der charakteristischen Tracht italienischer Gelehrter des ausgehenden 14. Jahrhunderts, weisen auf die Vertrautheit des Malers mit bologneser Miniaturmalerei hin. Doch als die überwiegende und den allgemeinen Charakter der Bilder bestimmende Komponente darf man das Iberische bezeichnen: werden doch auch die französischen und italienischen Typen und Ornamente im lokalen Sinne umgebildet. Daß spanische Juden die Schöpfer der abgebildeten Miniaturen waren, dafür sprechen nicht nur die Schrifteigentümlichkeiten, manche Details der zahlreichen Bauwerke, die überwiegende Zahl der Bordüren, sondern vor allem der naive, volkstümlich-derbe, manchmal brutale Realismus, mit welchem die Vorgänge dargestellt werden, und der vor der Gewöhnlichkeit, ja, Häßlichkeit der Dinge nicht zurückweicht. Neben anmutigen südländischen Typen — wie die Frauen um Miriam und beim Auszuge der Juden aus Ägypten, wo manche Gesichter, wie der edle Kopf im Profil unter der Toröffnung im Hintergrund (Abb.2), noch heute unter Sephardinnen anzutreffen sind — begegnen wir bei den Männern vulgären Köpfen mit klobigen Nasen, die durch kurze Hälse mit dem umförmig plumpen, gedrungenen Körper verbunden sind (Abb. 1). Aber wie individualisiert sind diese Köpfe; fast nichts mehr von dem mittelalterlich unpersönlichen Schematismus haftet ihnen an. Eine