Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die spanisch-jüdische Bilderbibel um 1400
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2830023-2830026-2840590--54663-2840626- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
202 Zofja! Ameisenowa Eklektiker, wenn auch geschickte. In der gesamten Dekoration lassen sich die von verschiedenartigen Quellen geschöpften Stilelemente unterscheiden. Die Formensprache der Dekoration steht an der Schwelle zwischen der absterbenden Gotik und der knospenden Renaissance. Die Perspektive ist noch mangelhaft und tastend: schräg steigen die Fußböden empor, das Verhältnis der Figuren zur Landschaft und der Architektur ist noch willkürlich. Die Zeichnung ist oft unsicher und fehlerhaft. Ein Kompromiß zwischen dem landschaftlichen und ornamentalen Hintergrund bezeugt die unentschiedene künstlerische Orientierung der Maler: manche Szenen spielen sich im Vordergrund, mitten in einer Landschaft ab, während im Hintergrund statt des Himmels und des Horizonts eine mit Rauten- oder Fleuronnemuster geschmückte Fläche zu sehen ist. Anderswo überwindet der italianisierende Hauptmaler seine Scheu vor den Geheimnissen der Perspektive und malt ,seine biblischen Vorgänge inmitten der landschaftlichen oder architektonischen Gründe frisch drauf los (Abb. 1). Drei Stilbestandteile lassen sich in der Formensprache der Künstler deutlich unterscheiden: das gotisch-französische, das italienische und das einheimisch iberische Element. Man könnte mit gutem Recht an eine Illuminatorenwerksatt in solch einer spanischen Provinz oder einem Kunstzentrum denken, wo nebeneinander französisch und italienisch geschulte oder stark beeinflußte spanisch-jüdische Maler gemeinschaftlich arbeiteten. Französischer Herkunft sind die noch an das 14. Jahrhundert gemahnenden, gotisch scharfzackigen, flachstilisierten und breit hingelagerten Weinlaubranken, die sich an den Rändern vieler Seiten, besonders gegen das Ende der Bibel, spiralartig winden, belebt durch groteske Zwittergestalten und phantastische Vögel. Von Frankreich aus beeinflußt sind auch die Rauten- und Fleuronne-Hintergründe vieler Szenen, so durchweg in den Prophetendarstellungen. Was diese Weinrankenbordüren von den echt französischen unterscheidet, ist die in Frankreich ungewohnte Beigabe der Rebendolden und die etwas plumpe Beschaffenheit der dornigen Blätter. Italienischer Abstammung ist eine andere Art der Rand-