Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die spanisch-jüdische Bilderbibel um 1400
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 9)
- Language
- German
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Eine spanisch«jüdische Bilderbibel um 1400 201 gottgesandten Erscheinung mit menschlichem Angesicht und dazu nimbiert erdenklich. Lediglich in der liberalen Atmo- Sphäre, in der Juden und Christen gemeinschaftlich an der Übersetzung der Bibel arbeiteten, und ein Rabbi den Franziskaner in der Bilderwahl bei Illustrierung der berühmten Alba Bibel (1422—34) unterstützte5, konnte die Bilderfolge der Kairuaner Bibel entstehen. Wenn der jüdisch-deutsche Illuminator der Ambrosianischen Bibel (Ms. B. 32 inf.) die Geschöpfe der Ezechielinischen Vision darstellen wollte, so fand er einen witzigen Ausweg: er malte statt des Geschöpfes mit dem menschlichen Angesicht — einen Hahn; גבר bedeutet nämlieh sowohl einen Mann als auch einen Hahn6. Spuren des Zusammenlebens der Juden mit dem dritten, die iberische Halbinsel bewohnenden Volk, den Mauren, könnte man in den hie und da in der Stadtarchitektur angebrachten Minaretten (so in der Stadt Ramses), in manchem architektonischen Detail, in den nach der orientalischen Sitte am Boden hockenden Frauen, die der Predigt des Propheten Hosea lauschen, erblicken. Was die Auffassung einzelner biblischen Gestalten anbelangt, so sind sie durch Trachten aktualisiert. Moses ist manchmal als Jüngling, dann wieder als bärtiger Mann dargestellt. Die Propheten sind würdige Greise, in wallende Mäntel gehüllt. Die Frauen tragen modische Trachten, die Ritter zeitgenössische Rüstungen. Die Könige der biblischen Geschichte scheinen den katalonisch-aragonesischen Herrschern in den Rechtsbüchern des ausgehenden 14. Jahrhunderts nachgebildet zu sein. Die Formen, Der Künstler, oder richtiger die Maler — denn es waren anscheinend mehrere, die die Kairuaner Bibel ausmalten — waren 5 Berger, S.: Les Manuscrits de la Bible Castillane enlumines en Espagne sous la direction des juifs. Bulletin de la Soc. Nat. des Antiquaires de France 1898r 239—244. 6 Diese einleuchtende Erklärung der mir anfangs unverständlichen ikonographischen Substitution verdanke ich Dr. Emil Levy in Tel Awiw. Vgl. meinen Artikel in der MGWJ 1935 ״Das messianische Gastmahl der Gerechten“ Abb. 1.