Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die spanisch-jüdische Bilderbibel um 1400
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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198 Zofjoi Ameiseno wa eine mit Notenschrift und hebräischemText beschriebene Bandrolle spiralartig unreinen Stab, den ein junger Mann zu halten scheint. Der königliche Sänger, verzückt emporschauend, und der jugendliche Schäfer, der Held des Liedes, sind unterhalb der Bandrolle, in Brustbildern, ausgemalt. Beide halten wieder Bandrollen, die den flüssigen Rhythmus wiederholen. Am rechten Rand schießt ein leicht aufgebautes, blumenumwundep.es Notenpult empor, auf dem ein aufgeschlagenes Notenbuch liegt. Selten findet man in der Buchmalerei jener Zeit eine in Aufbau und Form zierlichere, zielbewußter rhythmisch abgewogene und sinnfälliger auf den Titel des Hohen Liedes anspielende Randdekoration. Sie scheint eine originelle Erfindung des Malers zu sein, denn nirgends konnte ich etwas Ähnliches feststellen. Eigenartig ist auch die Randdekoration zu den Klageliedern (Abb. 5). Der Maler stellte den in zwei Kolumnen geschriebenen Text in die Architektur eines von zwei mächtigen, zinnengekrönten Türmen flankierten Brückenbaues hinein. Die hohen, vertikal emporstrebenden Tortürme, durch eine doppelbogige Brücke über den Strom verbunden, halten wie mit eisernen Klammern den Text zusammen. Yielleicht sollte es eine Anspielung auf die Mauern von Jerusalem sein. Die Illustration der folgenden Bücher bietet im Inhalt und Aufbau nichts Außergewöhnliches. Erst bei der Chronik begegnen wir einem höchst merkwürdigen, wie es scheint, einzig dastehenden Bilde: es wurde der JBofer bei seiner frommen Arbeit dargestellt (Abb. 6). Unter einer mit zackigern Bogen überwölbten Arkade sitzt ein weißbärtiger Greis an einem kleinen Schreibtisch, fast en face gesehen. Mit der Rechten schreibt er mit einer Kielfeder in einem aufgeschlagenen Buche, in der Linken hält er ein zum Schneiden der Feder dienendes Messer. Die Tatsache, daß er von rechts nach links schreibt, macht die Vermutung von der jüdischen Abstammung des Malers zur Gewißheit. Denn kein Andersgläubiger dürfte sich bis in solche Details der jüdischen Schreibsitte eingefühlt haben. Die Frische des Empfindens, die temperamentvolle, realistische Unmittelbarkeit des Gestaltens helfen uns über manche Mängel der Zeichnung, über